Berufung Blaulicht? (Staffel 2)

Shownotes

In dieser Folge werfen wir einen Blick auf den Blaulichtsektor und hinter die Kulissen der Notfallmedizin. Wie ist es wirklich, als Notarzt zu arbeiten? Unser Moderationsduo Martin und Ariane spricht mit dem Würzburger Notarzt Dr. Mathias Vescovi über seinen persönlichen Werdegang, prägende und auch kuriose Einsätze sowie darüber, wie sich Medizinstudierende optimal auf eine spätere Tätigkeit im Rettungsdienst vorbereiten können.

👥 Zu Gast: Dr. Mathias Vescovi, niedergelassener Allgemeinmediziner und Notarzt in Würzburg

🎯 Darüber sprechen wir: • Werdegang und Ausbildungsinhalte für die Zusatz-Weiterbildung Notfallmedizin • Einblicke eines Notarztes in seinen Arbeitsalltag • Tipps für Medizinstudierende für den Einstieg in den Blaulichtsektor • Wie gelingt der Umgang mit harten Einsätzen? • Wichtige Fähigkeiten für den Notarztdienst

🎧 Ideal für alle Medizinstudierenden und angehenden Fachärzt*innen, die sich für eine spätere Tätigkeit in der Akut- und Notfallversorgung interessieren.

📌 Wichtige Links: Informationen über Jobs für Medizinstudierende bei der 116117: https://jobs.kvb.de/116117-jobs/ Mehr Informationen zum Notarztdienst in Bayern: https://www.kvb.de/mitglieder/patientenversorgung/notarztdienst

Transkript anzeigen

00:00:00: Ich hab mir das angewöhnt, dass sie nach so einem heftigen Einsatz ... Wir uns danach immer noch kurz zusammensetzen.

00:00:05: Am RTW treffen und Debriefing machen und sagen okay was war jetzt hier gerade eigentlich los?

00:00:09: Wie haben wir es gemacht? Haben wir es gut gemacht?

00:00:11: Vielleicht könnten wir auch was besser machen?

00:00:12: Keine Frage also auch Kritik, Lob...

00:00:14: Es muss immer sein.

00:00:15: Dann habe ich das Gefühl dann kann ich abschließen, besser abschließen mit dem

00:00:18: Einsatz.

00:00:19: Die Gesundheitsarena. Ärztenachwuchs

00:00:22: im Gespräch. Mit Medizinstudentin Ariane Berner und Martin Eulitz von der

00:00:27: KV Bayerns.

00:00:30: Herzlich willkommen bei uns in der KVBGesundheitsarena.

00:00:33: Heute geht es alles um das Thema Blaulichtsektor.

00:00:36: Blaulichsektor ist für uns Medizinstudierende schon sehr interessant, wie wir da perfekt

00:00:41: Praxis

00:00:41: und Theorie verbinden können.

00:00:43: Und vielleicht stellst du dir auch die Frage so ... Mhm das wäre vielleicht was für mich aber ich weiß nicht genau, wie ich damit anfangen soll oder ob das auf mich zukommt.

00:00:51: Und deswegen haben wir heute ein Überraschungsgast

00:00:54: bei uns!

00:00:55: Ganz genau, und er ist auch gekleidet wie ein Notarzt aussehen muss.

00:00:59: Dr.

00:00:59: Mathias Vescovi ist heute bei uns.

00:01:01: Er hat über die Bundeswehr Medizin studiert und 2005 die Fachkunde Rettungsmedizin absolviert.

00:01:07: Seither regelmäßig als Notarztdienst in Würzburg und Umgebung im Einsatz.

00:01:12: Seit 2012 ist er zudem als Facharzt für Allgemeinmedizin oder - wie man landläufig sagt - Hausarzt in eigener Praxis tätig. Und neben seiner Tätigkeit in der Praxis fährt er auch weiterhin Notarzt.

00:01:24: Da freuen wir uns als Kassenärztliche Vereinigung Bayerns natürlich ganz besonders, vielen Dank Mathias, dass du das weiterhin machst!

00:01:30: Privat ist er Vater von zwei Kindern und in seiner Freizeit ziehts ihn in die Berge oder unteres Wasser als hervorragender Taucher.

00:01:38: Hallo Mathias hier in der Gesundheitsarena.

00:01:40: Hallo, freu mich dass ich da sein darf.

00:01:43: Hallo Mathias. Warum bist du eigentlich Notarzt geworden?

00:01:46: Wie ihr gerade schon in der Vorstellung gehört habt, bin ich ja über die Bundeswehr in die Medizin und in den Arztberuf mit reingewachsen.

00:01:53: Und jeder Hausarzt, jeder Allgemeinarzt wurde in der Bundeswehr zum Notarzt mit ausgebildet.

00:01:59: Das war quasi unser Hauptjob auch in den Auslandseinsätzen.

00:02:01: Und deswegen war da der Fokus auch in der Ausbildung immer dort gesetzt.

00:02:06: Ich sage mal, es wurde mir eingeimpft.

00:02:07: So kann man sich das vorstellen!

00:02:09: Es gab quasi keine Alternative.

00:02:10: Wir mussten Notarzt werden und wir haben da auch wirklich von allen Seiten die besten Kurse und Förderungen erhalten.

00:02:16: Also das war ja wirklich so, ich nenn's eingeimpft.

00:02:19: Schon früher Werdegang dann bei dir.

00:02:21: Wie genau ist denn die Struktur dahinter?

00:02:23: Also wie kann man das vorstellen wenn ich jetzt Medizinstudent bin und sag, das wär vielleicht auch was für mich.

00:02:28: Aktuell ist so, ich muss 24 Monate in einem akuten, mit der Patientenversorgung beschäftigen Fach tätig gewesen sein.

00:02:35: Innere, Anästhesie... in einem Klinikum und ich muss eine halbjährige Tätigkeit in einer Notaufnahme auf einer Intensivstation hinter mich gebracht haben, weil nur dann sagt man hat man die Skills gelernt, die man dann auch später draußen auf der Straße eventuell braucht.

00:02:49: Und dann muss ich einen achtzigstündigen Kurs besuchen.

00:02:52: Den muss ich auch noch ableisten.

00:02:53: Da kriegt man nochmal kompakt,

00:02:54: die meisten machen das so in einer Woche am Stück, nochmal die ganze Notfallmedizin, alle Fächer nochmal wirklich theoretisch und praktisch präsentiert.

00:03:01: Und auch mit viel Skill-Training.

00:03:03: Und dann muss ich noch 50 Notarzteinsätze mit einem erfahrenen Kollegen mitfahren... ...und dann kann ich mich erst zur Prüfung anmelden

00:03:11: für

00:03:12: die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin.

00:03:13: Ist schon zeitintensiv dann, oder?

00:03:14: Ja!

00:03:14: Da

00:03:14: ist man eine Weile unterwegs.

00:03:15: Aber es ist auch ganz gut, dass man so eine Grundlage hat.

00:03:17: Ja ist wichtig. 

00:03:17: Kann man nicht sagen das macht man nach dem zweiten Tag  Anästhesie- oder Assistenzarzt.

00:03:21: Das würde nicht funktionieren.

00:03:23: Aber das ist ja auch vieles abgedeckt, was man schon generell für die Assistenzarzt-Weiterbildung braucht oder?

00:03:28: Da kann man ja gut parallel machen.

00:03:30: Genau

00:03:30: also das integriert sich am Ende des Tages natürlich auch in die Weiterbildung mit ein.

00:03:34: Es wäre ja auch sonst so schwierig, das überhaupt in seiner Lebenszeit hinzubekommen.

00:03:37: Das stimmt, das stimmt ja.

00:03:39: Und dieser Kurs, dieser achtzigstündige Kurs, da hast du gesagt dafür braucht man eine Woche?

00:03:43: Ist dann auch viel, so achtzig Stunden in der Woche...

00:03:45: Das ist intensiv

00:03:46: Da ist man in der Regel

00:03:47: noch die beiden Wochenenden hängt man da noch dran und da weiß man danach was man getan hat.

00:03:52: Haha ja das glaube ich. 

00:03:52: Was sind das da für Einsätze, die dann so vorkommen?

00:03:55: Zunächst fährt man erstmal mit diese fünfzig Einsatzfahrten und dann lernt man dieses Spektrum erst mal kennen.

00:04:02: Man sagt so 2/3 der Fälle sind etwa internistisch.

00:04:04: Das heißt, internistische Krankheitsbilder sind so das Hauptklientel was man notärztlich abzuarbeiten hat.

00:04:09: Tendenz natürlich steigend, weil die Bevölkerung auch älter wird und die internistischen Erkrankungen natürlich im hohen Lebensalter zunehmen.

00:04:16: Und dann die restlichen je nach Statistik.

00:04:18: 30 - 40 Prozent verteilen sich auf chirurgisch, Trauma, Kinder, gynäkologische Notfälle usw.

00:04:26: Wie ist denn da deine Erfahrung?

00:04:27: Wir hatten im Februar eine große Konferenz, die in.SAN-Notfallkonferenz und da gab es so zwei Schienen an Meinungen zu hören.

00:04:35: Die einen haben gesagt, es gibt schon Patienten mit einer extrem hohen Anspruchshaltung, die mit leichten Erkrankungen mit dem Rettungswagen am liebsten ins Krankenhaus gefahren werden wollen.

00:04:44: Und auf der anderen Seite gab's auch diese Seite, die gesagt hat, der Patient kann halt nicht einschätzen was er hat und er ist auf ärztliche Hilfe angewiesen.

00:04:52: Wie würdest du da den Spagat sehen?

00:04:55: Das ist ein Dilemma und ein Spagat zeitgleich, würde ich sagen.

00:04:59: Dass natürlich man den Patienten erst mal selber überlässt, dass er für sich selber eine Einschätzung treffen muss.

00:05:04: Bin ich jetzt schwer lebensbedrohlich erkrankt oder hat es Zeit bis morgen?

00:05:08: Oder reicht das wenn der hausärztliche Notdienst kommt?

00:05:10: Das ist was wo ja die Politik auch die ganze Zeit rum diskutiert.

00:05:14: Wie bekomme ich mehr Wissen in die Bevölkerung, in die Menschheit hinein, dass sie sagen, okay trau mich das eher abzuschätzen.

00:05:20: Früher haben die halt den Oma Joker angerufen und gesagt, ok kannst du mal gucken reicht es, wenn ich einen heißen Tee trinke oder einen Wickel drauflege.

00:05:29: Diese Instanz scheints irgendwie nicht mehr groß zu geben und das ist leider auch eine Erfahrung aus dem Alltag,

00:05:34: Es gibt da sogenannte Stichworte,

00:05:35: wenn man die bei der Leitstelle nennt, dann wissen die Leute dann kommt die Kavallerie.

00:05:39: Was vor Ort vorgefunden wird, ist nicht immer das was sich in dem Stichwort-Katalog in meinem Display sehe, wenn der Alarm losgeht.

00:05:46: Ja also ich habe auch das Gefühl, dass es auch recht anspruchsvoll ist.

00:05:49: Dieses Notarztfahren, weil man dann auch gut differenzieren muss.

00:05:52: Okay ist das jetzt kritisch oder ist das nicht kritisch?

00:05:54: Wie kann ich das einschätzen?

00:05:55: Und auch für uns Medizinstudierende wie kann man sich denn darauf gut vorbereiten?

00:05:59: Kann man da auch schon im Studium irgendwie was machen oder sich irgendwie ja so Tipps und Tricks holen, wie man sich dann gut auf das Leben als Notarzt vorbereitet?

00:06:07: Man kann schon super viel machen im Studium.

00:06:09: Am Standort Würzburg weiß ich das, dass die Medizin studieren haben eine eigene Community an der Uni-Klinik oben.

00:06:14: Die bilden sich intern selber unter Anleitung von eines anästhesiologischen Fachärzten schon im Studium rettungsdienstlich notfallmedizinisch fort.

00:06:22: Machen da auch ganze Workshop-Wochenenden, wo sie da Skill-Trainings machen, sich fachlich weiterbilden.

00:06:27: Und die, die interessiert sind fahren auch häufig noch neben dem Studium dann auf dem Rettungswagen im Krankentransportwagen oder als Notarztfahrer mit und sammeln so schon wertvolle Erfahrungen, die keiner nehmen kann.

00:06:39: Wenn du jetzt das Ideal dir vorstellen würdest, was braucht man eigentlich so für Charakterzüge oder für Kompetenzen um wirklich ein guter Notarzt zu werden?

00:06:46: Also aus meiner Sicht sollte man einen ruhigen Charakter haben.

00:06:51: Also man sollte für sich selber mal geprüft haben, 

00:06:53: bin ich auch in einer brenzligen stressigen Situation in der Lage ruhig zu bleiben.

00:06:57: Oder bin ich halt jemand, der dann explodiert und hektisch wird.

00:07:00: Das ist nie gut bei nem Einsatz.

00:07:02: Dann sollte ich vielleicht überlegen ob ich daran arbeiten kann bevor ich dann in dieses Fach gehe.

00:07:06: Ansonsten sage ich immer wenn man das nicht weiß ja... Ich hatte als Assistenzarzt auf der Station, ich war in der Kardiologie, hatten mir eine Kollegin, wenn wir da Notfall auf der Station hatten, war die immer weg!

00:07:17: Unvorteilhaft.

00:07:18: Unvorteilhaft wir anderen haben es dann gemacht.

00:07:19: Aber wenn man halt so ein Mensch ist, dann hat man da draußen auf dem Blaulichtwagen nichts verloren.

00:07:24: Man muss sich den Dingen stellen wollen!

00:07:26: Ja

00:07:26: dieses Dingen Stellen wollen ist glaube ich ganz gut, dass man die Herausforderung annehmen kann

00:07:30: auch.

00:07:30: Ariane, du hast ja selber als Rettungssanitäterin schon einiges an Erfahrung gesammelt.

00:07:35: Wenn der Mathias das so schildert, klingt es für dich eigentlich interessant auch diese Notarzt-Ausbildung dann zu machen?

00:07:41: Ja also dadurch dass ich Rettungsdienst auch gefahren bin konnte ich ja dann auch hautnah erleben wie so ein Notarzteinsatz auch stattfindet oder generell was für Kompetenzen ein Notarzt braucht und es wahr genau das, also einfach dass man diese Ruhe ausstrahlt und das muss man auch können.

00:07:54: Es sind wirklich chaotische Situationen, die dann auch wirklich vor Ort manchmal sind.

00:07:58: Wenn es wirklich Spitz auf Knopf steht, muss man schon Überblick behalten können und auch klare Anforderungen und auch delegieren können, dass das gerade priorisiert wird.

00:08:06: Und hier du machst das und das.

00:08:08: Das ist schon wichtig, dass man da auch die Verantwortung tragen kann aber auch die Autorität besitzt.

00:08:12: Dass man sagt okay, man greift jetzt durch auch als Notarzt, weil man ist der Ranghöchste auch da vor Ort.

00:08:17: Es ist schon unterschiedlich zu meinen Erfahrungen gewesen als Rettungssanitäterin. 

00:08:20: Da war ich nicht der Ranghöchste, sondern hab eher Sachen ausgeführt und das dann schon unterschiedliche, wenn man jetzt als Notarzt auftritt.

00:08:26: Wir

00:08:27: haben ja auch von Mathias gehört eingangs du hast eine Hausarztpraxis nebenbei noch.

00:08:32: ... also hauptsächlich vor allen Dingen.

00:08:34: Hauptsächlich

00:08:35: sogar!

00:08:36: Und wie funktioniert es

00:08:37: wenn du in deiner Hausarzpraxis bist, wenn ein Notarzteinsatz ist, lässt du dann alles liegen und stehen und startest dann sofort oder wie kann man sich das vorstellen?

00:08:47: Also ich habe an den Tagen, an denen ich Nortarztdienst habe in Würzburg, 

00:08:50: habe ich das so organisiert,

00:08:51: ich bin in einer größeren Gemeinschaftspraxis mit Angestellten auch Fachärzten und Weiterbildungsassistenten.

00:08:56: Und an dem Tag bin ich nur körperlich anwesend, nicht für die Patienten sondern ich mache Papierkram.

00:09:00: Da bleibt immer viel in der Praxis liegen.

00:09:02: Also ich finde diese Tage super.

00:09:03: Da wird mein Schreibtisch deutlich aufgeräumter dadurch und wenn dann der Melder geht dann ist mein Fahrer steht dann unten vor der Tür, dann fahren wir zu dem Einsatzort.

00:09:11: So habe ich das organisiert.

00:09:12: Das mache ich immer Mittwochs.

00:09:13: Ich habe so einen festen Tag in der Woche und der Mittwoch ist ja bei uns traditionell nur ein halber Tag, das heißt, ich falle dann sogesehen, einen halben Tag aus aber das mit meinem Praxiskompagnon abgeklärt und das haben wir so als Agreement und ich hol dann diesen halben Tag irgendwann mal an einem Freitagvormittag oder so mal

00:09:27: nach.

00:09:28: Also würdest du sagen, es lässt sich miteinander vereinbaren?

00:09:31: Ich frag das deswegen,

00:09:32: weil wir merken, es gibt immer weniger niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, die bereit sind als Notärzte tätig zu werden vielleicht auch aufgrund des bürokratischen Aufwands in den Praxen und dem ständig steigenden Patientendruck.

00:09:45: Es lässt sich miteinander vereinbaren aber man muss das organisieren.

00:09:47: Also wenn man ne Praxis alleine hat, gibt's in Würzburg sogar noch Kollegen, Hausärzte die das so machen die das schon seit Jahrzehnten so machen.

00:09:53: Da wissen die Patienten halt jeden dritten Dienstag ist es bei den Kollegen der Fall ist er Notarzt und dann werden auch keine Patienten einbestellt.

00:10:01: Und da haben sich die Patienten daran gewöhnt, man kann das auch so ein Stück weit erziehen, kann man so sagen.

00:10:06: Es ist vielleicht interessant zu wissen für uns Studierende... Welche verschiedenen Modelle gibt es denn eigentlich, als Notarzt zu fahren?

00:10:13: Kannst du da uns ein bisschen mitnehmen?

00:10:14: Worauf man sich denn einlässt, wenn man Notarzt fährt.

00:10:16: Es gibt da Zusatzbezeichnungen, die sind an gewisse Facharztgruppen gebunden und es gibt Zusatzbezeichnungen, die darf man bei ganz vielen Facharztgruppen führen.

00:10:23: Und die Notfallmedizin ist ja so eine.

00:10:25: Ich darf Chirurg sein und Notfallmediziner.

00:10:27: Ich darf ... Wir hatten ne Zeit lang sogar einen Gynäkologen in Würzburg, der ist bei uns niedergelassen gefahren.

00:10:31: Internisten, Anästhesisten.

00:10:33: Wir alle dürfen das fahren!

00:10:35: Wenn wir die Ausbildung dafür haben, ist ja klar.

00:10:37: Es gibt jetzt dann halt so wie wir in der Niedergelassenen-Gruppe

00:10:40: Wir müssen das alles in unsere Praxen organisieren, dann können wir es besetzen.

00:10:43: In der Klinik gibt es sehr verschiedene Modelle.

00:10:45: Da gibt es eben dieses Institutionsmodell, soweit ich das weiß.

00:10:48: Das heißt da übernimmt eine Klinik komplett ein Nef und sagt dann der KV, ihr müsst euch um nichts kümmern, wir besetzen das.

00:10:54: So ist es bei uns in Würzburg mit dem zweiten Boden gebundener Nef.

00:10:57: Das hat die Uniklinik unter sich.

00:10:58: Die besetzen es rund um die Uhr, da muss ich keiner drum kümmern.

00:11:01: Das machen sie intern!

00:11:02: Ja, so kann ich das auch, dass es häufig ist.

00:11:04: Aber ich finde es cool, dass es auch diese Modelle gibt, wie du dann auch erleben darfst.

00:11:08: Es kann ja auch herausfordernde Einsätze geben und das ist für viele bestimmt auch eine Hürde dann einfach auch einzusteigen.

00:11:14: Wir haben jetzt auch viel über positive Aspekte gesprochen, dass man eine gute Grundlage hat und Praxis kombinieren kann, gut lernen kann.

00:11:20: Aber vielleicht ist das für viele die sagen nein, das möchten sie nicht machen weil sie nicht wissen wie Sie damit umzugehen haben.

00:11:27: Kannst du uns da einfach auch mal von deinen Erfahrungen erzählen, wie du welche Strategien du dir anwendest.

00:11:32: Dass man einfach gut mit solchen stressigen Situationen, die vielleicht auch belastend sein können umgehen

00:11:37: kannst.

00:11:38: Es gibt diese Einsätze.

00:11:41: Das ist so. Man kommt in Situationen rein wo man sagt, okay das war jetzt Spitz auf Knopf, das nimmt einen mit, das geht einem vielleicht ein bisschen nahe weil es dich an Dinge erinnert, die du vielleicht schon selber erlebt hast.

00:11:51: Davor ist keiner von uns gefeit und man merkt es aber auch immer im Team, wenn man hin kommt und geht wirklich hier um alles.

00:11:57: Dann merkt man auch gleich finde ich immer, dass alle gleich wahnsinnig fokussiert sind und wir... Ich habe mir das angewöhnt, dass wir nach so einem heftigen Einsatz, immer im Anschluss an den Einsatz, wenn wir dem Patienten übergeben haben,

00:12:07: wir uns danach immer noch kurz wirklich zusammensetzen am RTW treffen, ein Debriefing machen und sagen okay was war jetzt hier gerade eigentlich los?

00:12:14: Wie haben wir das gemacht?

00:12:15: Haben wir es gut gemacht?

00:12:16: Vielleicht können wir auch etwas besser machen?

00:12:17: Keine Frage also auch Kritik, Lob!

00:12:19: Es muss immer sein und dann habe ich immer das Gefühl dann kann ich abschließen, besser abschließen mit dem Einsatz.

00:12:23: Nichtsdestotrotz nimmt man die manchmal mit heim und dann muss ich ja nochmal mit Freunden reden, mit Angehörigen und dass noch so ein bisschen los werden.

00:12:29: Aber ist jetzt nicht so, dass ich jetzt irgendwelche Einsätze hab wo ich sage die kehren immer wieder und ich schlafe schlecht.

00:12:33: Also nee. Aber es gibt diese Fälle.

00:12:35: Es gibt Kollegen, egal ob es die Rettungsassistenten, Rettungsnotfallsanitäter sind oder auch Notärzte, die an gewissen Einsätzen sehr lang zu knabbern haben oder sogar sagen ich kann das nicht mehr.

00:12:44: Ich muss damit aufhören!

00:12:46: Also auch Kommunikation ist key, würdest du auch sagen.

00:12:48: Dass man einfach wirklich spricht.

00:12:50: Ich habe auch das Gefühl dadurch dass bei schwierigen Einsätzen bei mir, dass dieses Team mir viel geholfen hat, dass ich nicht alleine in der Situation war.

00:12:56: Man merkt, dieser Fokus, den du erzählt hast, fand ich auch ganz markant, dass man so ein Switch hat.

00:13:01: Man switcht um und man fühlt sich aber auch nicht alleine, weil man eben gerade das Team hat und man kann sich auf das Team verlassen, das fand ich ja auch.

00:13:08: Ganz markant, das ist auch eine Erfahrung die man hat.

00:13:10: Ja und wir haben jetzt gerade gesprochen über das Debriefing aber auch während des Einsatzes.

00:13:13: Wenn man merkt das ist wirklich so ein Einsatz wo es echt hektisch wird.

00:13:15: Da gibt's dieses sogenannte Ten for ten also dann wirklich mal kurz Break.

00:13:20: Meist mache ich das dann im RTW, wenn wir da angefangen haben alles zu verkabeln.

00:13:24: Dann sag' ich jetzt stopp!

00:13:26: Das muss nicht ich als Notarzt machen, das darf auch jeder anderen Team sagen.

00:13:29: Stopp!

00:13:29: Lass uns hier noch mal kurz sammeln was haben wir hier?

00:13:31: Was haben wir bisher gemacht?

00:13:32: Wo geht die Reise hin?

00:13:33: Das sind dann Sekunden, die ich verliere in Anführungsstrichen aber danach geht es immer besser strukturierter und für alle Beteiligten auch wirklich besser verarbeitbar

00:13:41: weiter, meine Erfahrung.

00:13:43: Danke für den kurzen Einblick da auch in die Realität.

00:13:45: Wie kann man denn sich so einen Einsatz vorstellen?

00:13:47: Also der Patient ruft jetzt an bei Leitstelle und sagt ihm geht schlecht, und wie geht's dann zu dir weiter?

00:13:52: Oder was sind deine nächsten Schritte?

00:13:53: Wie kann man sich das als Laie vorstellen?

00:13:55: Also ich trage ja den sogenannten Piepser oder Melder bei mir und über den bin ich erreichbar für die Rettungsleitstelle.

00:14:01: Und die fragt nach diesem Katalog, den sie eben hat ab,versucht einzuschätzen am Telefon wie schwer wegen ist das ganze Geschehen?

00:14:07: Wenn eben laut dem Katalog rauskommt, das ist eine so schwere gesundheitliche Beeinträchtigung, dass da ein Notarzt mithin muss... Da gibt's diesen Maßnahmenkatalog.

00:14:15: Dann werden wir alarmiert zusammen mit einem Rettungswagen, dann fahren wieder da hin!

00:14:19: Wir kriegen so ein paar Stichworte in so einem Display.

00:14:21: Das ist quasi ein Navi, auf den wir dann auch nur draufdrücken müssen und das routet uns gleich da hin.

00:14:26: Also wir müssen nicht erst noch einen Schell-Atlas rausholen.

00:14:28: Das müssen wir einfach anfahren... und dann schauen wir vor Ort, was von dem Stichwortkatalog wirklich vorhanden ist.

00:14:37: Und dann müssen wir vor Ort natürlich immer erst entscheiden ... Ist es das oder ist es das nicht? Ist es was anderes?

00:14:41: Dann wird der Patient immer versorgt und mitgenommen in die Klinik gebracht.

00:14:44: Oder aber, dass passiert auch nicht selten, wird festgestellt, okay, ist alles gar nicht so wild!

00:14:48: Wir können den Patienten hier im häuslichen Umfeld, im Altenheim oder wo auch immer das ist, da belassen und das kriegen die vor Ort auch hin.

00:14:54: Hmh...

00:14:54: Hast du denn mal so einen lustigen Einsatz für uns, den du aus deinem Nähkästchen plaudern

00:14:58: möchtest?!

00:14:59: Es gibt schon skurrile Einsätze und skurrile Situationen, in die man reinkommt definitiv.

00:15:04: Und dann...

00:15:06: Jetzt muss er schon selber lachen!

00:15:09: Das war halt vorgestern, da hatte ich Notarztdienst und es gibt die Würzburg einen Erotik-Shop, der heißt Claudias Erotik-

00:15:15: Shop.

00:15:15: Jetzt wird spannend, jetzt wird spannend.

00:15:18: Wir kriegen kein Geld von Claudias Erotik-Shop.

00:15:20: Auf jeden

00:15:20: Fall

00:15:21: war die Meldung Herzschmerzen, Claudias Erotik-Shop, da fährt er mit einem Grinsen hin.

00:15:26: Das ist einfach so, das ist

00:15:27: ja!

00:15:28: Wir kamen alle lustig grinsend an und haben uns natürlich um den Patienten gut gekümmert.

00:15:31: Der hat sich immer wieder als Herz gelangt.

00:15:33: Wir haben ihn dann, so wie wir das natürlich professionell machen, aus dem Laden rausgeholt und versorgt.

00:15:39: Aber es war erst mal ein leichtes Grinsen in der ganzen Truppe, das war schon. 

00:15:42: Es klingt wirklich nach einem guten Einsatz ja.

00:15:45: Hast du Ariane in deiner Zeit auch schonmal sowas erlebt?

00:15:49: Ich war leider noch nicht im Erotik-Shop muss ich zugeben.

00:15:51: Schade, Marmelade!

00:15:54: Was ich einen coolen Einsatz hatte ... Also, ich bin in München RTW gefahren in der Innenstadt und bin dann weiter rausgekommen zum Olympia Park.

00:16:01: Und dann hatten wir einen Einsatz oben an der Plattform von diesem Olympiaturm.

00:16:05: Das war cool, weil man sich wie im Film gefühlt.

00:16:09: Die ganzen Touristen waren da vorne.

00:16:10: Dann wussten wir so durch die Touristen durch.

00:16:13: Da hat man sich wirklich wie Superman gefühlt, dass man da durchgegangen ist.

00:16:16: Den Einsatz dann oben war auch einfach ... von der Panorama-View...

00:16:19: Man hat dann wirklich so sich gefühlt, ob man gerade irgendwie so in einem Film wäre, weil man dann grad einfach mit Blick auf München diesen Einsatz haben durfte.

00:16:27: Das war ein cooler Einsatz!

00:16:28: Das

00:16:29: wär jetzt auch Stichwort was du jetzt grade gesagt hast, sich wie Superman fühlen.

00:16:33: Wenn du im Einsatz als Notarzt bist, fühlst du dich dann so,

00:16:37: Ich bin Arzt,

00:16:38: lassen sie mich durch.

00:16:39: Ich bin der Wichtigste hier oder wie kann man sich das vorstellen?

00:16:42: Nee, eher lassen sie mich Arzt, ich bin durch.

00:16:44: Nein!

00:16:46: Haha. Der muss jetzt kommen.

00:16:48: Nein das fühl' ich mich nicht... Es ist ein besonderer Auftritt, das ist so wenn man da irgendwo hinkommt mit Blaulicht und steigt aus und der Notarzt ist da, dann hört man mal so Sprüche ja?

00:16:57: Dann merkt man mal hier, dass es eine gewisse Erleichterung durch die Anwesenden, zum Teil erstversorgenen Ersthelfer natürlich dann geht, weil sie sagen, jetzt können wir uns zurückziehen, jetzt übernimmt der Profi am Ende des Tages.

00:17:09: Das erlebe ich schon bei schlimmeren Einsätzen.

00:17:11: Da war jetzt letzten Herbst, war ein älterer Herr auf dem Fahrradweg gestürzt mit so einem E-Bike und hatte einen Helm auf.

00:17:16: Aber als wir da hinkamen, war es schon klar, dass der ein schweres Schädel-Hirntrauma hatte und hatte schon so eine ganz typische Atmung.

00:17:22: Und da war dann als Ersthelfer vor Ort dieser HvO von der DLRG und die waren ... Da kam dieser Satz von der Ersthelferin:

00:17:29: Ah!

00:17:29: Jetzt seid ihr da!

00:17:31: Also das spürt man schon.

00:17:33: Aber ich gehe da nicht hin und sage, ich bin jetzt hier.

00:17:35: Der Notarzt, alle weg.

00:17:36: Ich manage das jetzt hier.

00:17:38: Ganz falscher Ansatz.

00:17:39: Je schwerer der Fall ist, umso mehr muss man das im Team machen.

00:17:41: Da habe ich eine gute Kommunikation mit meinen Rettungsassistenten und Notfallsanitätern.

00:17:45: Ich will auch Input von denen haben.

00:17:46: Ich stelle mich nicht dahin, und sage wir machen das so und so.

00:17:48: Klar muss sich die Direktive vorgeben.

00:17:50: Wenn aus dem Team ein Hinweis kommt, Mathias wollen wir das nicht so machen dann bin ich da dankbar drum!

00:17:54: Man ist ein Team.

00:17:55: Man geht in die Rolle, man hat auch dewegen die Uniform. 

00:17:58: Weil man eine Rolle auch dann verkörpert, wie gesagt, man atmet auf.

00:18:02: Und man ist ein Team und man arbeitet als Team zusammen.

00:18:06: Das ist immer eine schöne Dynamik, die noch immer aufkommt untereinander.

00:18:09: Hat sich das vielleicht geändert über die Zeiten?

00:18:11: War es früher vielleicht mal anders, dass ihr junger Mediziner deutlich teamorientierter seid, als es früher der Fall war?

00:18:19: Oder ist es individuell von der Person abhängig?

00:18:22: Also, ich war fahr jetzt wie gesagt seit 2005 Notarzt und da hat sich natürlich das ganze System schon, wie ich finde, zum Besseren verändert.

00:18:29: Früher gab es halt den Rettungssanitäter, der ist quasi alles gefahren auch RTW.

00:18:33: Dann hat man gesagt okay, der muss besser ausgebildet sein, da gab's den Rettungsassistenten. Das war dann schon eine höhere Qualifikation.

00:18:38: Und jetzt haben wir ja den Notfallsanitäter, das ist ein regulärer Ausbildungsberuf mit drei Jahre Weiterbildung.

00:18:44: Also da ist auf dieser Seite viel mehr Wissen und Weiterbildung

00:18:48: da, als ich es zuteil in den ersten Jahren verspürt habe. Da kamen dann wirklich Kollegen, die noch früher nur Rettungssanitäter waren dann zwei Stunden Kurs machen mussten in Anführungsstrichen um Rettungsassistent zu werden.

00:18:59: Und mit denen war es da manchmal vor Ort wenn das wirklich Spitz auf Knopf war ein bisschen schwieriger zu arbeiten.

00:19:04: Da musste man als Notarzt noch sehr viel mehr arbeiten und auch sehr viel direktiver manchmal übernehmen weil da einfach weniger Feedback und auch Wissen da war. 

00:19:11: Ist einfach so.

00:19:12: Das hat sich wahnsinnig geändert zum Positiven hin, dass man wirklich eine tolle Teamwork, weil man wirklich eine gute Unterstützung hat.

00:19:18: Gibt ja auch verschiedene Modelle, hast ja auch schon gesagt, wie man auch aktiv werden kann im Blaulichtsektor.

00:19:22: Wie gesagt einmal Rettungssanitäter und Notfallsanitäter.

00:19:25: Man kann aber auch verschiedene andere Aktivitäten beispielsweise machen

00:19:28: von der KVB, habe ich was gehört?

00:19:30: Genau

00:19:30: so ist es, ein perfekter Übergang

00:19:32: zu meinem geschätzten Kollegen Andreas Groß.

00:19:35: Der ist bei uns in der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns Teamleiter in der Vermittlungs- und Beratungszentrale und er erklärt ganz kurz, was man denn als Medizinstudierender in der KVB während seines Studiums tun kann.

00:19:47: Es besteht die Möglichkeit für Medizinstudierende bei uns in den Akutleitstellen, bei der 116117 mit zu telefonieren.

00:19:53: Voraussetzung ist die Bereitschaft zum Schichtdienst, ein abgeschlossenes Physikum, das erste Staatsexamen, idealerweise notfallmedizinische Erfahrung.

00:19:59: Die Aufgaben bestehen darin, die Anrufe über die 116117 von den Hilfversuchenden entgegenzunehmen, zu dokumentieren, die Einsätze an den ärztlichen Bereitschaftsdienst weiterzuleiten oder in lebensbedrohliche Notfällen an die integrierte Leitstelle.

00:20:10: Durch das große Einsatzspektrum hat man die Möglichkeit bereits während des Studiums Erfahrungen im Blaulichsektor zu sammeln. 

00:20:15: Das, was der Andreas Groß gesagt hat, kann man alles auch bei uns in den Shownotes zu diesem Podcast nachlesen.

00:20:21: Da haben wir ja auch diverse Adressen drin.

00:20:23: Also wer da Interesse hat einfach draufklicken, sich das anschauen und wir bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns freuen uns natürlich immer über interessierten Nachwuchs.

00:20:31: Gerade medizinisch fachkundig ist natürlich toll und wenn man da so langsam reinwächst das ist jetzt auch grade so angesprochen worden, die 116117, der Notruf ist ja die 112.

00:20:42: Wie ist denn da das Verhältnis zueinander?

00:20:44: Du, Mathias, machst ja Bereitschaftsdienst auf der einen Seite und Notarztdienst auf der anderen Seite.

00:20:49: Genau als niedergelassener Kassenarzt mit Kassensitz ist man ja verpflichtet auch diese kassenärztlichen, hausärztlichen Notdienste zu machen, die eben über die 116117 gesteuert werden.

00:20:58: Und in Würzburg so dass es eben diesen Fahrdienst gibt, der mittlerweile auch... wie ich finde es besser organisiert ist, ich kenne auch die Zeiten wo ich selber in meinem Auto da durch den Gegend gejuckelt bin und dann telefoniert habe und koordiniert hab wann ich wo hinfahre.

00:21:10: Und da ist es jetzt, find' ich, sehr gut dass man jetzt einen Fahrer hat, der das mit einem unterstützt, auch mal beim Patienten mit reingeht Das finde ich eine sehr große Hilfe!

00:21:17: Und dann haben wir noch dieses Sitzdienste.

00:21:18: Wir haben ja diese Kassenärztlichen Notdienstpraxen.

00:21:20: In Würzburg ist sie in dem Fall an die Klinik mitangebunden und dann sitzt man eben da und macht dort eben seine Sprechstunde.

00:21:25: Wir haben über 110 Bereitschaftsprachsen bayernweit, wo man als Patient auch hingehen kann.

00:21:31: Da muss niemand zu einem kommen, wenn man soweit mobil ist

00:21:34: macht es am meisten sind am Wochenende oder an einen Feiertag oder auch mal Mittwochnachmittag in die Bereitsschaftspraxis zu gehen wegen der Behandlung dort vor Ort

00:21:42: Wenn es wirklich keine Zeit hat bis zum nächsten Tag, weil ich finde halt, wenn man zu seinem Hausarzt geht, 

00:21:47: deswegen bin ich Hausarzt geworden, dann kann er da sowas in der Regel immer besser und anders einsortieren, weil der hat das Wissen der Akte, der weiß, er kennt im Zweifel seinen Patienten, der weiß was er für Vorerkrankungen hatte, der kennt seine Medikamente.

00:21:58: Und dann kann man oft Entscheidungen ganz anders treffen, als wenn man Patienten neu gerade kennenlernt und einem nur die Symptome schildert.

00:22:05: Kann ich die auch einsortieren.

00:22:06: Das habe ich ja auch gelernt als Arzt.

00:22:07: Aber ich tue mir immer leichter, wenn ich das natürlich so im hausärztlichen Setting mit gewissen Background-Infos mache ja.

00:22:12: Als Medizinstudent kann man ja auch so beispielsweise in den Blaulichtsektor einsteigen,

00:22:16: einfach ganz niederschwellig durch die KVB, dass man da einfach bei Einsätzen dabei ist und da mitfährt.

00:22:21: Wie kann man sich das denn vorstellen auch?

00:22:23: Es ist eine ganz andere Dynamik, die da bei diesen Bereitschaftseinsätzen auftritt als wie im Rettungsdienst.

00:22:28: Kannst du das auch kurz uns erläutern, wie man sich darauf einstellen kann, wenn man da jetzt mitfahren würde mit dir als Arzt.

00:22:33: Man fährt halt ohne Blaulicht hin, das muss man wissen.

00:22:36: Ich muss an der roten Appel stehen bleiben.

00:22:39: Also wenn man sagt, ich will unbeding mal Blaulicht fahren, dann wird man es dort nicht erleben.

00:22:43: Aber auch dort, habe ich es erlebt, dass eben Thema wieder Leitstelle

00:22:46: auch bei der 116117 werden manchmal Situationen, Symptome geschildert, die dann vielleicht etwas banaler rüber kommen und dann werde ich als hausärztlicher oder kassenärztlicher Notdienst hingeschickt und vor Ort stelle ich fest, Mist das wäre vielleicht doch was für ein Rettungsdienst gewesen. Dann hab' ich die halt nachalarmiert

00:23:00: in dem Fall ist ja klar.

00:23:01: Aber ansonsten ist es schon, wenn man so ein bisschen anguckt, natürlich das Banalere medizinisch.

00:23:06: Aber vielleicht auch gut um die Grundlagen mal zu erlernen, dass wir einfach mal ohne irgendwie diese Akutsituation im Hintergrund zu haben, einfach mal eine banale Erkältung oder dass man einfach mal so die chronischen Erkrankungen kennenlernen darf und da auch schaut okay wie reagiert der Arzt?

00:23:22: Was für Therapiemöglichkeiten werden gerade angeboten

00:23:24: von dem Arzt oder wird auch durchgeführt?

00:23:26: Ja, und ich fahre dahin mit meinem Köfferchen.

00:23:28: Da hab' ich ein Blutdruck-Messgerät, ein Stethoskop, eine Lampe und vielleicht ein paar, zwei, drei Medikamente dabei.

00:23:33: Und ansonsten höre ich mir die Anamese der Patienten an – ich untersuche ihn körperlich!

00:23:37: Ich habe eben kein CT, kein Labor, kein MRT oder kein Ultraschall dabei.

00:23:41: Das heißt, ich muss auf der Basis der Anamnese und der Befunderhebung eine Verdachtsdiagnose stellen und entscheiden, was mache ich jetzt für den Patienten?

00:23:50: So... Und das ist ja etwas, finde ich, urärztliches, was man auch erst mal lernen muss… Ja.

00:23:55: Das man mit ganz wenig...

00:23:57: Viel machen kann.

00:23:58: Viel machen kann.

00:23:58: Das

00:23:59: stimmt, das stimmt und vielleicht auch realitätsgetreu auch wie es im Niederlassungssetting auch dann stattfinden kann weil man da ja auch kein Labor, n CT gleich zur Verfügung hat, wie's in der Klinik ist.

00:24:08: Man kann als Medizinstudent auch in der Leitstelle aktiv werden und kann sich einfach die Anrufe anhören, beispielsweise von den Patienten, hast du auch erzählt, dass es auch ein paar Keywords gibt, worauf man achten muss, Luftnot, beispielsweise wäre eines davon.

00:24:21: Ich glaube, was auch ganz gut ist, dass man da auch einfach mal so das Gespür kriegt.

00:24:26: Ok was ist denn gerade kritisch? Worauf muss ich achten, was sind so Red Flags?

00:24:28: Die wichtig sind für mich später auch als Arzt.

00:24:30: Wie schätzt du das

00:24:31: ein?

00:24:31: Im Laufe des Studiums lernt man ja diese Red Flags,  wie du sie schon genannt hast, kennen.

00:24:35: Es gibt Symptome, 

00:24:36: wenn die geschildert werden, habe ich eben nicht eine Woche Zeit, bis ich das mal abkläre, sondern dann muss ich akut sofort handeln und bei mir in der hausärztlichen Praxis kommt das sogenannte unselektierte Patienten- und Krankengut rein.

00:24:47: Das heißt ich bin immer so die erste Linie, und wir triagieren quasi tagtäglich.

00:24:52: Das ist quasi unser täglich Brot, müssen wir schauen, ist das jetzt was Ernstes?

00:24:56: Ist es nichts Ernstes?

00:24:57: Und auch bei uns ... Ich hab schon alles erlebt bei unserer Hausarztpraxis, die kommen mit einem Herzinfarkt rein, kommen mit dem Schlaganfall rein.

00:25:03: Es ist sogar schon eine ältere Dame mit einem Schenkelhalsfraktur reingehumpelt.

00:25:08: Also sie haben manchmal wirklich echt so ... sehr unterschiedliches Schmerzempfinden.

00:25:12: Da erlebt man dort ja!

00:25:14: Und dann musst du ja, wie ich finde wissen, was tu' ich denn in dem Moment.

00:25:17: Deswegen ist das super wichtig, dass jeder Arzt ein Grundverständnis, ein Grundwerkzeug an der Hand hat, um Notfälle zu versorgen.

00:25:25: Das muss sein!

00:25:26: Auf jeden Fall.

00:25:27: Ich

00:25:27: würde aber gerne noch von euch beiden so einen Appell hören an den Nachwuchs an die Medizinstudierenden, nicht nur in Würzburg, wo es natürlich besonders schön ist in Bayern, sondern in ganz Bayern möglichst vielleicht auch deutschlandweit.

00:25:40: Was soll man tun?

00:25:41: Soll man in den Notarztdienst und wie macht man das?

00:25:45: Wir haben sehr viele positive Aspekte gehört, dass man eine steile Lernkurve hat und msn kann sich gute Grundlagen aneignen.

00:25:51: Wenn man auch Angst davor hat, wenn man auch sagt, das ist herausfordernd, man soll sich auch der Herausforderung stellen, weil es hat ... ja, sehr viel positive Effekte für dich selber später in der Zukunft.

00:26:01: Und man kriegt einfach eine tolle Erfahrung, ein tolles Team, Dynamik mit.

00:26:05: Man kriegt das gut im Studium auch hin.

00:26:07: Also gibt's auch viele Beispiele.

00:26:09: Man soll sich selber einfach mehr zutrauen.

00:26:12: Das stößt genau in die gleiche Richtung, in die ich jetzt vorgehen würde.

00:26:15: Wenn man das will kann man im Studium schon wahnsinnig viele Angebote wahrnehmen.

00:26:19: Ich bin ja auch Lehrpraxis in Würzburg.

00:26:21: Ich habe wieder Blockpraktikanten, die in ihrem 10.Semester ihre zwei Wochen Allgemeinmedizin machen und wenn ich  in den zwei Wochen Notarztdienst haben, nehme ich die immer mit.

00:26:28: Die sagen fast nie nein und die sagen da immer, wow!

00:26:31: Jetzt bin ich Notarzt mitgefahren.

00:26:32: Also solche Opportunities, wenn man die bekommt im Studium, nutzen, machen.

00:26:37: Nur so kommt man weiter.

00:26:38: Also super hilfreich

00:26:39: noch eure Tipps zum Abschluss.

00:26:40: Ich habe als interessierter Laie auch noch gelernt, dass man in einem Würzburger Erotik-Shop Herzrasen bekommen kann und werde diesen also definitiv nicht aufsuchen, damit nicht der Notarzt wegen mir noch kommen muss!

00:26:51: Und ansonsten bedanke ich mich bei dir Mathias, dass du extra den Weg aus Würzburg heute hierher gekommen bist...

00:26:56: Ja gerne!

00:26:57: ...und freue mich Ariane, dass du da bist.

00:27:00: Und du bist ja immer hier im Studio eigentlich.

00:27:01: Ja, ich freue mich auch, dass du da bist, Martin.

00:27:03: Und vielen Dank Mathias, dass du heute uns bereichert hast durch deine Erfahrungen.

00:27:07: Wir freuen es uns sehr, wenn ihr als Hörerinnen, Hörer uns Feedback gibt und gerne an podcast@kvb.de

00:27:13: uns eine kurze Mail schreibt, wenn Ihr Ideen, Themenwünsche und sonst was Kritik, Anregungen alles habt und uns natürlich abonniert und uns auch eine gute Bewertung gebt bei Spotify, Apple Podcast, und wo man uns überall hören kann.

00:27:25: Freu

00:27:25: mich drauf!

00:27:27: Schaltet rein...

00:27:29: Die Gesundheitsarena, ein Podcast der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns moderiert von Ariane Berner und Martin Eulitz.

00:27:36: Redaktion und Technik: Sandra Greißel,

00:27:39: Marion

00:27:39: Munke,

00:27:40: Sophie Pfeifer und Florian Schaller.

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