Wie gesund ist Mann?
Shownotes
In dieser Folge der Gesundheitsarena widmen wir uns einem eher vernachlässigten, aber durchaus spannenden Thema: der Männergesundheit. Unser Gast ist Dr. Max Tüllmann, Urologe aus Erding, der uns Einblicke in seine Arbeit und die Herausforderungen der Männergesundheit gibt. Warum ist Vorsorge so wichtig? Und warum nehmen so wenige Männer Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch? Ein Grund dafür könnte sein, dass Männer oft erst einen Arzt aufsuchen, wenn sie massive Beschwerden haben. Häufig wird auch die fehlende Zeit als Grund genannt, nicht in die Praxis zu gehen. In dieser Episode erfahren Sie, wie die Vorsorgeuntersuchung in der Praxis abläuft und was man von ihr erwarten darf. Dr. Tüllmann geht aber auch auf Themen wie die Sexualität und das Männerbild an sich ein und betont, wie wichtig es ist, regelmäßig zum Arzt zu gehen und auf seinen Körper zu hören. Hören Sie rein und bleiben Sie gesund!
Ein Tipp für alle Urologinnen und Urologen, die mit dem Gedanken spielen sich in Bayern niederzulassen. In bestimmten Gebieten Unterfrankens fördert die KVB aktuell den Einstieg in die ambulante medizinische Versorgung. Mehr zur Förderung erfahren Sie unter: https://www.kvb.de/kuenftige-mitglieder/praxisstart/region-sucht-arzt/urologen
Zum Männergesundheitsportal des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit: https://www.maennergesundheitsportal.de/
Zur Informationsseite „Gesundheit von Männern“ des Bundesministeriums für Gesundheit: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/frueherkennung-vorsorge/maennergesundheit.html
Zu den Patienteninformationen des Berufsverbands der Deutschen Urologie: https://urologie-gestalten.de/patienteninformationen/
Zu den vielfältigen Informationen der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit: https://www.mann-und-gesundheit.com/
Transkript anzeigen
00:00:00: Ja, liebe Hörerinnen und Hörer, wir haben heute ein Thema auf der Agenda, wo wir meine
00:00:19: Kollegen und ich vorher diskutiert haben, ob wir das überhaupt angehen wollen, denn
00:00:22: es geht um die Männergesundheit und damit fallen schon mal 50 Prozent aller potentiellen
00:00:27: Hörerinnen weg, die Frauen, warum sollten sie sich über Männergesundheit informieren?
00:00:32: Und dann kommt noch dazu, dass ja die meisten Männer mit Männergesundheit auch nicht so
00:00:36: viel anfangen können, wenn man Vorsorgeuntersuchungen als Maßstab nimmt, die werden von 20 bis 30
00:00:42: Prozent aller Männer überhaupt in Anspruch genommen.
00:00:45: Insofern ist natürlich eine Frage, warum sollte man dazu ein Podcast produzieren und warum
00:00:49: sollte man sich diesen anhören?
00:00:51: Und genau dieses Thema möchte ich diskutieren mit meinem heutigen Gast, dem Urologen aus
00:00:56: Erding, Dr. Max Tüllmann.
00:00:57: Herzlich willkommen, Herr Dr. Tüllmann.
00:00:59: Ich freue mich für die Einleitung.
00:01:00: Hallo.
00:01:01: Warum sind Sie ausgerechnet Urologie geworden?
00:01:03: Also, Hauptsache liegt daran, dass ich natürlich familiär vorgeprägt bin, weil mein Vater
00:01:07: war auch schon Urologie.
00:01:08: Insofern bin ich relativ früh natürlich mit dem Thema konfrontiert worden.
00:01:12: Am Anfang, nach Medizinstudium, wollte ich erst mal gar kein Urologie werden.
00:01:16: Da dachte ich, ich werde Kardiologe, die Pumpe, das ist das Wichtigste im Körper und so was.
00:01:21: Aber letztendlich habe ich dann doch wieder gemerkt, dass die Urologie einfach ein sehr
00:01:24: vielfältiges Fach ist, das ganz viele verschiedene Facetten abdeckt und einfach noch mehr
00:01:30: Spaß machte.
00:01:31: Was macht Ihnen so im Arbeitsalltag besonders viel Spaß?
00:01:33: Also einerseits der Kontakt mit den Patienten, der macht richtig viel Spaß und dann natürlich
00:01:39: noch die operativen Tätigkeiten, weil in unserem Fach ist eben beides vorhanden.
00:01:44: Auch die Tumortherapie, weil bei uns ist jeder vierte Patient das Tumorpatient, das macht
00:01:48: natürlich unglaublich viel Spaß, den Menschen da zu helfen.
00:01:50: Und Sie können da gut helfen bei Ihren Tumorpatienten?
00:01:53: Nein, bei den Proserdekat-Synom-Patienten zum Beispiel können wir extrem gut helfen,
00:01:57: solange wir das früh genug erkennen.
00:01:59: Beim sind die Heilungschancen sehr gut, beim Hodentumorpatienten sind die Heilungschancen
00:02:03: bei 98 Prozent.
00:02:04: Man muss halt was tun und man muss die Patienten natürlich in der Spur halten, dass sie auch
00:02:08: ihre Therapien machen, aber dann haben sie extrem gute Chancen, geheilt zu werden.
00:02:11: Dann noch ein Abstecher in ihr Privatleben, wenn sie nicht in der Praxis sind, wo findet
00:02:16: man sie dann?
00:02:17: Sie meinen, die Zeit, die ich dann noch zu Hause bin, wenn da irgendwann die ganze Arbeit
00:02:21: gemacht ist.
00:02:22: Ja, gut, da versuche ich schon natürlich mich hauptsächlich, um die Familie zu kümmern,
00:02:26: dass wir ganz viel gemeinsam machen, weil es ist ja doch relativ wenig Zeit, die man
00:02:29: da eigentlich noch hat.
00:02:30: Haben Sie freie Wochenenden in Ihrem Beruf?
00:02:32: Teilweise ja natürlich, dadurch die Praxis.
00:02:34: Ich bin halt noch belegärztlich tätig, deswegen habe ich oft am Wochenende natürlich noch
00:02:38: belegartzt Dienst im Krankenhaus.
00:02:40: Das heißt, Sie operieren auch, Sie schauen aber auch Patienten in der Praxis ganz gut?
00:02:44: Genau, es sind praktisch vier Tage, die Woche ist in der Praxis, ganz normale Praxisarbeit
00:02:49: und einen Tag, die Woche ist OP-Tag.
00:02:52: Wir haben uns dem Thema Männergesundheit heute verschrieben, zu Ihnen als Urologen
00:02:56: kommen da auch Frauen?
00:02:58: Im Schnitt, würde ich sagen, kommen ungefähr 20 Prozent der Patienten oder Patientinnen
00:03:02: sind Frauen, weil die haben ja Nieren genauso wie Blase, die haben Blasenentzündung, die
00:03:06: haben Inkontinenz, das denken wir ja genauso mit dabei.
00:03:09: Die blenden wir aber jetzt für unsere Folge heute aus.
00:03:11: Ist das so ein Mythos, dass Männer Vorsorgeuntersuchungen nicht in Anspruch nehmen werden?
00:03:16: Ich denke, das ist kein Mythos, sondern ganz grob gesagt, würde ich sagen, es gehen nur
00:03:20: 20 Prozent der Männer wirklich regelmäßige zu Vorsorge, also vor allem zu urologischen
00:03:25: Vorsorge.
00:03:26: Woran liegt das?
00:03:27: Schwer zu sagen, aber ich glaube, es hat ein bisschen was mit Erziehung und so was
00:03:30: alles zu tun überhaupt mit dem Gesellschaftsbild.
00:03:32: Männer sind halt immer eher zu erzogen und so ungefähr, man geht wirklich nur zum Arzt,
00:03:36: wenn irgendwie massive Schmerzen da sind, wenn man selber nicht mehr händeln kann.
00:03:39: Das ist natürlich ein bisschen Trugschluss, oft vor allem, was jetzt die Brosse da zum
00:03:43: Beispiel angeht.
00:03:44: Frauen ist ein bisschen anders, die müssen ab 14, 15 Lebensjahr regelmäßig zum Gynäkologen
00:03:49: gehen, bei denen ist es so mit eingespielt, deswegen gehen da, glaube ich, auch viel mehr.
00:03:53: Und wir haben auch auf der Straße hier mal in München nachgefragt, einige Männer, ob
00:03:58: sie denn regelmäßig zum Arzt gehen.
00:04:01: Ich glaube, ich bin gesund.
00:04:03: Zu Vorsorgeuntersuchungen eher nicht, wenn dann halt zum Hausarzt bei Krankheitsfällen,
00:04:08: aber kriegst du so gut, ich bin 22 da, soweit bin ich da noch nicht.
00:04:12: Ich glaube, prinzipiell, wenn man keine direkten Beschwerden hat, geht man grundsätzlich nicht.
00:04:18: Also, kommt auf das Alter drauf an oder auf die persönliche Einstellung.
00:04:22: Zur Krebsvorsorge noch nicht, ich bin unter 30, das heißt, das ist ja irgendwann erst
00:04:26: freigeschalten, ich glaube ab 35 oder so, bin öfter mal beim Hausarzt, weil ich Rübenschmerzen
00:04:32: habe, genau.
00:04:33: Aber das ist ein anderes Thema.
00:04:34: Ja, wir haben es schon gehört gerade, also man geht eher dann, wenn man Beschwerden hat,
00:04:40: um eins richtig zu stellen, die Krebsvorsorge beim Urologen ab 45, nicht ab 35, aber man
00:04:46: geht eher dann, wenn man wirkliche Beschwerden hat.
00:04:48: Wann kommen die Männer zu ihnen?
00:04:50: Also, wie gesagt, 20 bis 30 Prozent kommen rein für die Vorsorge, die haben keine Beschwerden,
00:04:57: die wissen, dass man sich ab und zu mal untersuchen lassen muss, urologisch, weil eben auch was
00:05:02: dem Poster der Krebs zum Beispiel angeht, am Anfang überhaupt keine Beschwerden auftreten.
00:05:06: Der Rest kommt meistens mit Mektionsbeschwerden, wenn es jetzt hauptsächlich um Prostata geht,
00:05:11: das heißt, dass jetzt die Nacht so öfters aufstehen müssen, zum einen, dass der Haarndrang
00:05:14: plötzlich immer so abrupt kommt, dass sie jetzt gefühlt haben, sie kriegen die Blase
00:05:18: nicht mehr leer oder der Haarndstelle ist extrem schwach, dass sie ja ewig auf der Toilette
00:05:21: brauchen bis sie überhaupt mal die Blase entleert haben.
00:05:23: Das sind so die klassischen Symptome, die aber meistens gar nichts mit bösartigen Veränderungen
00:05:29: zu tun haben, sondern eher mit der klassischen Prostatavergrößerung.
00:05:31: Jetzt haben Sie sehr oft das Wort Prostata erwähnt.
00:05:35: Jetzt müssten Sie schon mal erklären, um was es da eigentlich geht, was ist das für
00:05:38: ein Organ, braucht man das oder kann das weg?
00:05:40: Man braucht es nicht unbedingt, also es ist jetzt nicht lebensnotwendig, aber die Prostata
00:05:44: ist auch die, viele kennen es vielleicht auch unter dem Begriff Vorsteherdrüse, die
00:05:49: steht da Blase vor und die ist eigentlich dafür da den Hauptteil des Erkulats, was man
00:05:53: braucht praktisch herzustellen, damit die Spermin nicht nur Ernährungsflüssigkeit, sondern
00:05:58: auch Aktivierungsflüssigkeit und im Prinzip ist das ganze Sperrmann, was man so beim
00:06:02: Organismus eben kommt, ist Prostataflüssigkeit.
00:06:05: Ohne Prostata, keine Kinder, muss man auch dazu sagen, das ist eben einer der Nachteile,
00:06:09: wenn eben mal die Prostata rauskommt, dass danach im Erkulationsfähigkeit nicht mehr
00:06:14: da ist.
00:06:15: Und die Prostata scheint ja ein sehr sensibles Organ zu sein aus dem, was ich von Ihnen
00:06:21: jetzt schon gehört habe.
00:06:22: Ich würde mal so sagen, wenn es normal läuft, ist es so, dass man bis 50, 55 meistens überhaupt
00:06:29: keine Größe in Beschwerden mit der Prostata hat, das kann schon mal eine Infektion oder
00:06:31: so was reinkommen, aber das ist auch eher selten.
00:06:33: Ab dem Zeitpunkt ist es dann so, dass die Prostata bei fast jedem Mann irgendwann sich
00:06:37: vergrößert und leider geht die Harnröhre halt genau durch die Prostata durch und die
00:06:42: Größe, die Prostata wird unsere Ehe, drückt es die Harnröhre zu und dann beginnt es eben
00:06:45: mit diesen Mikzonsbeschwerden, dass man eben im Wasser lassen Problem hat.
00:06:49: Jetzt gibt es ja diese Vorsorgeuntersuchung, um die sich auch ziemlich viele Mütende ranken,
00:06:53: vor allem eben eben diese Geschichte mit der rektalen Tastuntersuchung, die da gemacht
00:06:58: werden muss.
00:06:59: Ich selber gehe, sage ich gleich, regelmäßig zum Orologen, bin ja auch in der Altersgruppe,
00:07:04: wo man das durchaus tun sollte.
00:07:06: Ich empfinde es jetzt nicht als schrecklich, aber beim ersten Mal habe ich auch gedacht,
00:07:09: Örtes ist aber nicht so toll.
00:07:11: Wie nehmen Sie Patienten, die Angst oder Männern, die kommen, die Angst vor der Vorsorgeuntersuchung?
00:07:17: Also da kann ich jetzt glücklicherweise dazu sagen, dass direkte Tastuntersuchungen seit
00:07:22: ein paar Wochen nicht mehr empfohlen ist für die Prostata-Vorsorge, das heißt, alle können
00:07:27: aufatmen.
00:07:28: Wenn Sie zum Orologen gehen, nicht mehr praktisch die Untersuchung bekommen müssen, denn ganz
00:07:33: neue Studien, dass die Tastuntersuchung an sich relativ wenig bringt, also was vor allem
00:07:38: die Krebserkennung angeht, sondern das vor allem der PSA-Wert, das ist so ein Blutwert,
00:07:42: die man messen kann, an dem man viel früher sieht, ob sich irgendwelche bösartigen Veränderungen
00:07:46: in der Prostata abspielen können.
00:07:47: Ist der PSA-Wert Kassenleistung?
00:07:49: Leider nein.
00:07:50: Das sind wir jetzt gerade als Orologen ein bisschen in der Zwickmühle.
00:07:53: Wenn jemand zur Vorsorge kommt, dann sollen wir eigentlich gar nicht mehr tasten, aber
00:07:58: wir müssen ihm sagen, er muss so um die 30 Euro für diesen Blutwert bezahlen.
00:08:02: Aber wahrscheinlich sind die 30 Euro das auch wert?
00:08:04: Absolut.
00:08:05: Würde ich ihm empfehlen, das auszugeben, weil man dadurch einfach den, also die möglichen
00:08:09: beginnenden bösartigen Veränderungen von der Prostata einfach viel früher erkennt.
00:08:13: Ja, auch wenn wir jetzt keine hohe Szenarien an die Wand malen wollen, wenn doch bösartig
00:08:18: oder wenn da was festgestellt wird, wie geht es dann weiter?
00:08:22: Der PSA-Wert an sich ist ja kein Hepsmarker oder Tumormarker, sage ich immer, sondern
00:08:26: ist es ein Organmarker.
00:08:27: Der zeigt ihn erst mal nur an, dass irgendwelche Auffälligkeiten sind.
00:08:30: Nur weil der PSA zu hoch ist, heißt es nicht gleich, dass irgendwas bösartiges.
00:08:34: Aber man sollte das auf alle Fälle weiter abklären.
00:08:37: Und dafür macht man heutzutage ein MRT, der Prostata, wo man genau nachschauen oder genau
00:08:42: sehen kann, ist eine beginnende bösartige Veränderung drin oder nicht.
00:08:46: Die muss dann punktiert werden und kommt da wirklich Krebs raus.
00:08:50: Dann hat man ganz viele Möglichkeiten, das zu behandeln.
00:08:53: Reißen Sie das mal kurz an, welche Möglichkeiten der Behandlung ist dann da?
00:08:57: Also der Spektrum ist von gar nichts machen.
00:09:00: Einfach nur, das kommt auf die Aggressivität der Tumorzellen drauf an.
00:09:03: Von gar nichts machen bis bestrahlen, außen bestrahlen, von innen bestrahlen, operieren.
00:09:09: Also es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, die Sie da anbieten.
00:09:13: Aber das muss man eben dann ganz individuell sich anschauen.
00:09:16: Wir haben schon ein Eingangsjahr auch darüber geredet, dass es doch Punkte gibt, die Männer
00:09:20: trotzdem, was Sie jetzt auch gerade gesagt haben, so ein bisschen abhalten, sich mit
00:09:24: dem Thema zu beschäftigen oder auch zum Urologen zu gehen.
00:09:27: Und auch da haben wir nochmal nachgefragt, wie das die Männer so sehen.
00:09:31: Ich glaube, dass mittlerweile immer mehr über Gesundheit gesprochen wird und man zu
00:09:37: Gesundheit eine neue Einstellung finden sollte.
00:09:40: Gute Frage, also regelmäßig zum Arzt gehen glaube ich jetzt einfach ein Zeitthema.
00:09:44: Vorsorge, Untersuchungen glaube ich, viele haben ziemlich falsche Vorstellungen, was
00:09:48: da alles Schreckliches passiert mit Ihnen.
00:09:51: Ich glaube, dass man sich das problematisch redet, ich habe keine Zeit oder ich habe keine
00:09:57: Lust und man die Symptome ja immer erst bemerkt, wenn sie schon da sind und vielleicht nicht
00:10:02: auf sich schaut, sondern erst mal die Familie oder was auch immer, man erst bevorzugt.
00:10:07: Ja, so Krebsvorsorge, glaube ich, könnte auch bei Männern besser stattfinden, da könnte
00:10:11: man's hier links machen.
00:10:13: Aber es wird ja jetzt alles über AI gelöst und dann haben wir alle keinen Krebs mehr.
00:10:21: Punkt, der kam, war die künstliche Intelligenz. Spielt die irgendeine Rolle bereits bei Ihnen
00:10:26: schon im Praxisaultag? Also an sich nicht. An sich ist es immer noch die klassische
00:10:32: Untersuchung und die Laborwerte und dann sozusagen die künstliche Intelligenz ist der Arzt, der das
00:10:37: irgendwie zusammenfasst und versucht daraus eben dann ein möglichstes Risiko für irgendwelche
00:10:43: Tumoren oder für Krankheiten. Die KI spielt eine Rolle natürlich in den Therapien. Es wird alles
00:10:48: immer individualisierter und dadurch braucht man natürlich auch die KI. Es ist auch, glaube ich,
00:10:52: vor allem in der Bildgebung, was es rund geht und so was angeht. Da spielt die KI auch immer
00:10:56: mehr eine Rolle, damit eben auch bestimmte Erkrankungen oder sowas von den Bildern her eben
00:11:02: nicht übersehen werden können. Aber jetzt rein für die Urologie ist es, glaube ich,
00:11:06: auch primär noch relativ gering, der Einfluss auf unser Fach. Dann war ein Punkt, der angesprochen
00:11:13: worden ist Zeitmangel. Ich habe so viel zu tun, ich schaffe es gar nicht zum Arzt zu gehen.
00:11:17: Wie ist das zu sehen? Und es ist wahrscheinlich geht allen so, wenn man das Terminplan ziemlich
00:11:23: voll ist. Aber ich glaube, man sollte sich wenigstens einmal im Jahr irgendwie beim Arzt
00:11:28: blicken lassen, um einfach nur mal sich durchschauen zu lassen, damit man auch selber wieder eine gute
00:11:33: Gewissheit hat, das passt alles. Und der dritte Punkt, der auch kam, war eben dieses Thema Scham,
00:11:38: dass das so doch irgendwie Angst besetzt ist. Man möchte da nicht unbedingt, dass andere Männer
00:11:44: eine Nackt sehen oder so. Das kann ja auch ein Grund sein. Wie ist das mit der Scham? Also,
00:11:49: ich glaube, das ist schon ein Thema. Und deswegen sind, glaube ich, auch noch relativ wenig Frauen
00:11:54: Urologen. Es wäre in Gott sei Dank immer mehr, dass das auch irgendwie weniger wird. Aber ich glaube,
00:11:59: vor allem bei den älteren Generationen spielt das schon eine Rolle, sich praktisch da wirklich
00:12:04: nackig zu machen, um sich anschauen zu lassen. Wir sind jetzt beim ganz spannenden Thema, finde
00:12:08: ich, dem Männerbild. Merken Sie als Urologer da in ihrer Tätigkeit eine Änderung, dass die
00:12:13: jüngeren Männer da vielleicht dem Ganzen auch offener gegenüberstehen? Also, auf alle Fälle. Ich
00:12:18: glaube, das ist ja diese ganze Schambesetzzeit und sowas. Ich glaube, das lässt deutlich nach.
00:12:22: Also, die sind da wirklich entspannter, die jüngeren Männer. Haben mehr Patienten zu Ihnen jetzt als
00:12:26: das früher der Fall war oder war es schon immer eine hohe Auslastung? Ich würde sagen, es verdichtet
00:12:31: sich extrem, als sind jetzt nicht nur jüngere Leute, sondern die älter man wird. Man hat so das
00:12:36: Gefühl, so ab 80, 85 versagt dieses urologische System, also Nierenblasen, Blasenentlehrung,
00:12:41: Genitalbereich. Das versagt irgendwie deutlich mehr. Und dadurch haben wir einen extremen Zuwachs
00:12:46: an nicht unbedingt einem Patienten, aber an Erkrankungen pro Patient, was unser Arbeitszeit ist.
00:12:53: Also, wir haben keine Chance, das alles irgendwie abzuarbeiten. Und das merkt man ja auch an der
00:12:58: Terminvergabe, dass es natürlich immer länger dauert, bis man irgendwie einen Termin hat. Weil
00:13:02: es einfach sind unglaublich viele Erkrankungen. Wie lange muss man denn bei Ihnen warten, um
00:13:07: einen Termin zu bekommen? Also, aktuell ist es immer so bei vier Monaten für eine Vorsorge. Ist
00:13:11: natürlich für akute Probleme oder so, ist es deutlich kürzer. Ja, und wenn ich so einen Vorsorge
00:13:17: Termin dann vereinbart habe und komme, wie lange dauert diese Untersuchung? Dauert im Schnitt zehn
00:13:22: Minuten. Sie kriegen eine Blutentnahme. Wenn Sie die wollen natürlich, Sie bekommen die Urin-Untersuchung
00:13:26: und dann von mir natürlich die Anamnese und die körperliche Untersuchung. Und meistens auch
00:13:31: ein Ultraschein mit dazu. Der urologische Bereich besteht ja nicht nur aus der Prostada, sondern
00:13:36: ist natürlich Blase, Nieren und so auch alles mit dabei. Und wie oft sollte ich kommen? Da gibt es
00:13:40: jetzt auch, wie gesagt, seitdem die Tastuntersuchung war ja früher die Regelung einmal im Jahr. Jetzt
00:13:45: ist es eigentlich so, es kommt auf Ihren PSA-Wert drauf an. Wenn der PSA-Wert unter 1,5 ist, brauchen
00:13:51: Sie eigentlich nur noch nach fünf Jahren erst wieder kommen. Da geht es aber jetzt nur um die
00:13:54: Prostada. Wenn der PSA-Wert zwischen 1,5 und 3 ist, alle zwei Jahre, wenn er über drei ist,
00:13:59: sollte man weiter Diagnostik machen. Wir haben auch nochmal jetzt nachgefragt, ob eigentlich genug
00:14:04: überhaupt über Männergesundheit informiert wird und ob dieses Thema überhaupt in der Gesellschaft
00:14:09: verankert ist. Nicht so viel bei Frauen tatsächlich, aber ich glaube, das hat eher damit zu tun, dass
00:14:14: Männer solche Dinge meistens mit sich selber ausmachen wollen und das auch gar nicht groß in
00:14:20: den Medien haben wollen. Es wird immer mehr, also aber ich lebe auch vielleicht in der Bubble,
00:14:25: dass sich immer mehr solche Sachen auf Instagram oder TikTok oder so weiter vorgeschlagen
00:14:31: bekommen. Und ich glaube, es ist gut, dass es in der Politik auch schon mehr ankommt. Aber es ist
00:14:36: natürlich immer noch zu wenig, um zu sagen, es ist jetzt wirklich weltbewegend. Genau. Ja, es waren
00:14:42: jetzt so zwei unterschiedliche Meinungen, die eine war es ist noch deutlich zu wenig, wie dieses
00:14:47: Thema verankert ist. Das andere war durch Instagram und andere Social Media kommt das Thema jetzt in
00:14:53: die Öffentlichkeit. Es ist beides richtig wahrscheinlich. Also ich sehe das genauso, es ist
00:14:58: beides richtig. Es wird natürlich immer noch viel zu wenig wahrgenommen von den meisten Männern,
00:15:02: aber es wird Publiker und ich glaube, da spielen die sozialen Medien doch eine große Rolle, weil
00:15:08: einfach auch vor allem die Jüngeren dadurch viel mehr Einfluss haben, weil zu Hause bekommen
00:15:13: sie es ja oft nicht mit, weil der Vater oder Großvater geht ja auch nicht zur Vorsorge. Aber
00:15:17: sie sehen es halt dann über die Medien und das ist glaube ich schon ein positiver Einfluss,
00:15:20: dass man einfach dadurch die Gesundheit verbessert. Und genau dazu möchte ich jetzt auch noch kommen,
00:15:25: wer bis hierhin auch zugehört hat, den interessiert, dass diese beiden Fragen jetzt kommen
00:15:29: sich ja auch noch ganz konkret, da haben sie schon auch vorher angesprochen, das nächtliche
00:15:34: Wasser lassen. Wo würden sie sagen, ist es noch normal, dass man einmal vielleicht aufsteht oder
00:15:39: wo wird es dann kritisch? Ganz ehrlich, so eine richtige Zahl, wie oft man aufstehen muss,
00:15:44: ist natürlich auch sehr individuell, solange sie nicht wirklich stört und sie gut wasser lassen
00:15:48: können und die Blase sich entleert vom Gefühl her und sie danach gleich wieder einschlafen können,
00:15:53: es ist auch okay, wenn sie dreimal aufstehen, aber die meisten nervt es spätestens nach zwei
00:15:58: mal aufstehen, weil viele können dann nicht direkt wieder einschlafen und dann kommen sie halt vorbei
00:16:03: und wir schauen uns die Post da mal an, ob sie überhaupt daran liegt. Und was könntest du
00:16:07: uns sonst liegen? Es gibt Meeres natürlich, also auch am Trinkverhalten, viele sind ja den ganzen
00:16:12: Tag unterwegs und trinken an Amts besonders viel und wundern sich dann, dass sie plötzlich nachts
00:16:15: immer raus müssen. Aber was es auch gibt, ist die Schlafabniö und die Schlafabniö, das heißt bei
00:16:21: typischerweise bei Schnachan und so was, wenn die Atemaussetzer nachts haben, da wird die Urinproduktion
00:16:27: gesteigert über einen gewissen Signalweg und dann müssen die plötzlich so viel Wasser lassen. Wenn
00:16:32: die dann im Schlaflabor waren und dann die Maske, zum Beispiel eine Atemmaske für nachts, dann müssen
00:16:37: die plötzlich nicht mehr aufstehen. Anderer großer Themenblock, der wahrscheinlich auch bei ihnen
00:16:42: doch wird es öfter mal auftritt, sind erektile Dysfunktionen, also dass es im Bett praktisch nicht
00:16:48: mehr funktioniert. Was können Sie da tun? Also wir können natürlich hypicseroieren an was es
00:16:54: liegen könnte, wobei man sagen muss, dass die Erektionsbeschwerden meistens multimodal sind.
00:16:58: Also es ist jetzt nicht genau ein Faktor, sondern es ist ganz viel Psyche, dann ist natürlich viel
00:17:02: Wohlstandssyndrom, das heißt zu wenig Bewegung, zu viel Stress, Übergewicht, solche Sachen,
00:17:07: Alkohol spielen natürlich alle eine Rolle und vor allem das Rauchen. Und was tun Sie dann? Erstmal
00:17:14: aufklären natürlich und wenn die Patienten sagen, okay, ich versuche es erstmal so, ob ich es in
00:17:18: Griff kriege, dann ist es okay, wenn es natürlich schon, die alle schon versucht haben oder das
00:17:22: auch, manche merken, das wird jetzt wahrscheinlich nicht hundertprozentig funktionieren, dann muss
00:17:27: man eben mit so genannten PDE-5-Hämmern, also das ist das klassische Viagra, der Wirkstoff heißt
00:17:32: Selenafil, mit solchen Medikamenten beginnen und dann kann man das meistens ganz gut wieder in
00:17:38: Griff kriegen. Aber das ist doch definitiv ein Scham besetztes Thema kommt, die Männer da freiwillig
00:17:45: mit dem Thema zu ihnen, da ist das eher was, was ich so in der Sprechstunde dann... Also das
00:17:49: wirklich auf dem Bestellplan steht, erectile Dysfunktion, sozusagen jetzt relativ selten,
00:17:54: dass sie sich so anmelden, meistens ist es im Rahmen der Vorsorge oder im Rahmen von Kontrolluntersuchungen,
00:17:59: dass dann am Ende dieses Thema noch angesprochen wird. Aber ich kann da zu ihnen kommen und auch
00:18:05: das ansprechen ohne Angst praktisch. Jederzeit, also für mich ist das ja gang und gäbe das. Ich
00:18:10: bin der letzte, der da irgendwie fast da hat, wenn ich es im Prinzip eher die Mechanik, dass das
00:18:16: dann wieder funktioniert. Kriegen Sie da auch Rückmeldungen von Männern, die sagen, ich war bei
00:18:20: ihnen und jetzt funktioniert das wieder? Wenn die halt wieder in der Sprechstunde sind und dann
00:18:24: meistens sagen sie, ja war super, ich bräuchte noch mal ein Rezept oder hat noch nicht so funktioniert,
00:18:29: kann man was anders probieren oder was gibt es andere Möglichkeiten außer der Medikamente? Das
00:18:34: lässt sich dann, das besprechen wir dann. Jetzt ist ja dieses Thema Viagra auch so eins,
00:18:39: die haben den Wirkstoff ja auch genannt, auch so ein Thema, das kann man im Internet irgendwie
00:18:44: bestellen in düsteren Quellen und so. Es haftet ihm so was Eigenartiges Verruchtes an und so,
00:18:50: da sagen sie, das kann man durchaus verwenden, aber nicht die Internetquellen wahrscheinlich.
00:18:55: Schwierig zu sagen, also Deutschland ist eines der wenigen Ländern, wo sie überhaupt ein Rezept
00:19:01: brauchen, um den Wirkstoff-Sildener viel, also diese Potenz-Tabletten zu bekommen, in den meisten
00:19:08: anderen Ländern kriegen, brauchen sie nur in die Apotheke gehen und uns einfach kaufen. Im Internet
00:19:12: wäre ich jetzt immer ein bisschen vorsichtig mit dem bestellen, weil da wissen sie natürlich
00:19:15: nie ganz genau, was sie da bekommen. Wir nähern uns schon dem Ende unseres angeregten Gesprächs,
00:19:21: deswegen mal die Frage an Sie, was würden Sie sich denn von den Männern insgesamt wünschen?
00:19:26: Wir sind jetzt gar nicht so dramatisch fassen, sondern ich will mir eigentlich nur wünschen,
00:19:31: dass mir jeder halt so ein bisschen besser auf sich aufpasst, ein bisschen bei der Ernährung,
00:19:36: beim Alkohol trinken, beim Sport und so, einfach halt ein bisschen mehr schaut, dass
00:19:40: es sich halbwegs gesund hält. Auch das ist für Prosta dafür jegliche andere Organe einfach
00:19:47: total wichtig, weil dadurch kann man, glaube ich, seine Lebensqualität einfach deutlich verlängern
00:19:52: im Laufe des Lebens. Und das wollen wir alle, dass es verlängert wird und möglichst auch
00:19:56: gesund in hohem Alter. Ja, Herr Dr. Töhlmann, ich denke, wir haben alles schön abgedeckt
00:20:01: heute zu diesem Thema und ich hoffe, dass wir nicht die Frauen verschreckt haben, die
00:20:04: hier zugehört haben und danke Ihnen, dass Sie heute dabei waren. Ich bedanke mich für
00:20:08: die Einladung. Wir hören uns wieder in genau einem Monat, wenn wir uns dann auch mit einem
00:20:13: wieder sehr spannenden Thema beschäftigen werden, nämlich dem Kontakt zwischen Ärzten und
00:20:17: Ärztinnen und den Selbsthilfeorganisationen. Bis dahin, alles Gute!
00:20:21: Das war die Gesundheitsarena, eine Produktion der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns.
00:20:27: Moderation Martin Eulitz, Redaktion und Technik Sandra Greisel, Angela Kieser, Marion Munke,
00:20:35: Florian Schaller. Bleiben Sie gesund und bis zum nächsten Mal!
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