Wie erkenne ich Darmkrebs?

Shownotes

Im März jeden Jahres ist Darmkrebsmonat. Dieses Jahr steht der März in ganz Deutschland im Zeichen der Darmkrebsvorsorge. Etwa jede achte Krebserkrankung in Deutschland betrifft den Dickdarm (Kolon) bzw. den Mastdarm (Rektum). Im Jahr 2020 erkrankten daran etwa 24.654 Frauen und 29.956 Männer. Früh erkannt, ist Darmkrebs jedoch sehr gut heilbar. In dieser Folge spricht Moderator Martin Eulitz mit PD Dr. Claudia Ott, einer Internistin und Gastroenterologin aus Regensburg, über die Bedeutung der Vorsorge, die Diagnosestellung und die Heilungschancen. Dr. Ott erläutert, wie man Darmkrebs frühzeitig erkennen kann und welche Schritte nach einer Diagnose folgen. Außerdem hören Sie die bewegende Geschichte von Kerstin Mannes, die ihre Erfahrungen mit der Diagnose Darmkrebs und der anschließenden Therapie mit uns teilt.

Mehr Informationen zum Thema Darmkrebs gibt es hier: https://www.krebsinformationsdienst.de/darmkrebs

Informationen für Praxen und Patientinnen und Patienten zur Darmkrebsfrüherkennung: https://www.kbv.de/html/praevention_darmkrebsfrueherkennung.php

Darmkrebsmonat März - Awareness-Kampagne der Felix Burda Stiftung: https://www.felix-burda-stiftung.de/unsere-projekte/darmkrebsmonat

Zentrum für Krebsregisterdaten: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_node.html

Transkript anzeigen

00:00:00: Willkommen in der Gesundheitsarena, dem Podcast der KV Bayerns.

00:00:05: Bei uns dreht sich alles um die ambulante medizinische Versorgung der Menschen im Freistaat

00:00:11: und wie wir sie verbessern können.

00:00:13: Unser Thema heute "Darmkrebs" passend zum Darmkrebs-Monat März.

00:00:19: Der Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen und zugleich eine, die man am besten heilen kann,

00:00:26: wenn sie denn frühzeitig erkannt wird.

00:00:28: Mein Name ist Martin Eulitz und ich möchte mit einer persönlichen Erfahrung beginnen.

00:00:32: Ich höre inzwischen auch zur Anspruchskruppe der Männer über 50, die alle zehn Jahre zu einer Darmspielung gehen können.

00:00:41: Und ich habe mich kürzlich nach einigem Zögern und Zaudern entschieden, mal so eine Koloskopie durchführen zu lassen.

00:00:48: Und um es vorwegzunehmen, es war gar nicht schlimm.

00:00:50: Aber wir wollen heute auf dieses Thema sehr viel intensiver einsteigen.

00:00:55: Und dazu habe ich eine Expertin hier eingeladen, Privatdozentin Dr. Claudia Ott.

00:01:00: Herzlich willkommen, Frau Ott.

00:01:01: Vielen Dank für die Einladung.

00:01:04: Frau Ott ist Gastroenterologin in eigener Praxis in Regensburg und zugleich auch dieses Jahr

00:01:09: Kongresspräsidentin der Gesellschaft für Gastroenterologie in Bayern für das Jahr 2025.

00:01:15: Einige Aufgaben, die sie zu bewältigen haben, sie haben wahrscheinlich einen vollen Tagesablauf.

00:01:20: Tatsächlich ist es im Moment viel Organisation, aber es macht unheimlich viel Spaß.

00:01:25: Und ich fühle mich sehr geehrt, als Kongresspräsidentin gewählt worden zu sein.

00:01:30: Jetzt wollen wir uns natürlich auch unseren Hörern so ein wenig vorstellen.

00:01:34: Wer ist die Person Claudia Ott?

00:01:37: Und wenn sie nicht in ihrer Praxis sind, wo findet man sie dann?

00:01:40: Öfter mal im Fußballstadion, beim Jahr in Regensburg.

00:01:44: Und ansonsten viel im Fitnessstudio.

00:01:46: Ja, das sind so die Hauptnebenschauplätze, die ich in meinem Leben habe.

00:01:50: Liegt es am Verein oder am Spiel?

00:01:52: Tatsächlich am Fußball.

00:01:54: Ich gestehe, ich habe mit neun Jahren entschieden, ich werde Arzt, weil ich Arzt beim FC Bayern München werden wollte.

00:02:01: Das hat nicht ganz geklappt, aber zumindest den eigenen Verein dann ein bisschen unterstützen.

00:02:08: Wunderbar.

00:02:09: Und dann eine zweite Frage.

00:02:10: Ein Klischee über Ärzte, dass sie wirklich nicht mehr hören können.

00:02:14: Welches ist das?

00:02:15: Ein Klischee über Ärzte.

00:02:17: Da muss ich jetzt wirklich nachdenken.

00:02:21: Götter in weiß?

00:02:23: Sind wir nicht.

00:02:24: Was sind sie dann als Erzdin?

00:02:26: Wir sind die Begleiter.

00:02:28: Wir können die Patienten beraten.

00:02:30: Wir können mit ihnen gemeinsam den Weg planen, wenn schon eine Erkrankung da ist,

00:02:38: dass wir zusammen als Partner das Bestmögliche aus diesem Weg, der einfach vor einem liegt, ausholen können.

00:02:46: Wir haben mit einer Betroffenen gesprochen, Kerstin Mannes, sie ist 42 Jahre alt und hat mit 31 Jahren die Diagnose Darmkrebs erhalten.

00:02:54: Ich bin ja vor aufgeschrieben, bin aus Ducke gegangen.

00:02:56: Und das hatte ich da nicht mehr.

00:02:57: Ich habe auf viel Essen plötzlich reagiert und das war schon komisch.

00:03:01: Das war dieser unregelmäßige Stuhlgang von Verstopfung zu Durchfall.

00:03:06: Das war hin und her und das kannte ich davor gar nicht.

00:03:09: Zum Arzt bin ich das erste Mal gegangen, im August 2013.

00:03:14: Und dann hieß es erstens der Stress und es kommt ja bei jedem mal vor, dass man einfach da Probleme hat.

00:03:20: Insgesamt war ich dreimal beim Arzt, bis ich dann gesagt habe, ich möchte jetzt einen Überweisung zum Gastzentrologen,

00:03:26: weil er mich einfach nicht ernst genommen hat.

00:03:28: Und dann habe ich gesagt, ok, dann gehe ich auf eigene Faust zum Gastro ohne Überweisung.

00:03:32: Und dann hat er mir die Überweisung gegeben.

00:03:35: Also bei dem war ich dann im Februar 2014.

00:03:38: Da hatte ich dann schon Blut im Stuhl knapp vor diesem Termin, war das erste Mal.

00:03:42: Und das war so ein Punkt, wo man sich dann schon fragt, was ist jetzt los?

00:03:46: Wieso habe ich Blut im Stuhl?

00:03:48: Bei dem war ich dann, habe ihm das gesagt und der hat dann Blut abgenommen,

00:03:52: habe mich sofort geröngt und hat dann sofort einen Termin zur Darmspegelung gemacht.

00:03:55: Die war dann dreieinhalb Wochen später.

00:03:59: Da kam dann eben raus, dass das Darmkrebs war.

00:04:03: Wäre das so ein typischer Fall, den Frau Mannes gerade geschildert hat,

00:04:06: der bei Ihnen in der Praxis dann ankommt?

00:04:09: Die Symptome, die die Patientin angibt, sind für einen Darmkrebserkrankung tatsächlich typisch.

00:04:16: Und das sind sogenannte Warnsignale.

00:04:18: Was nicht typisch ist, ist ihr Alter.

00:04:20: Also das ist natürlich fast schicksalshaft,

00:04:24: in so jungem Alter einen Darmkrebs zu bekommen.

00:04:28: Der Darmkrebs ist eigentlich eine Erkrankung des höheren Altes,

00:04:31: des mittlere Erkrankungsalters liegt so zwischen 70 und 75 Jahren.

00:04:36: Also da hat die Patientin leider, ist sie ein Ausnahmefall,

00:04:41: weil es auch das Ganze so ein bisschen erklärt, warum sie,

00:04:46: warum es so rausgezögert worden ist.

00:04:48: Wenn ein Patient käme mit 60, der sagt, ich habe solche Beschwerden,

00:04:52: würde jeder Hausarzt sofort sagen, jetzt aber ganz schnell,

00:04:55: wenn du noch keine Darmspegelung hattest zur Darmspegelung.

00:04:59: Die Häufigkeit in so jungen Jahren steigt, sehen wir,

00:05:03: aber es ist natürlich nicht der Normalfall.

00:05:06: Also können Sie auch nachvollziehen, dass ein Arzt,

00:05:08: ein Hausarzt dann nicht sofort sagt, gleich zur Darmspegelung,

00:05:12: sondern erst mal andere Maßnahmen ergreifen möchte?

00:05:16: In der Medizin gibt es nie 100% und 100% nicht.

00:05:20: Aber in dem Alter sind andere Diagnosen doch eher etwas häufiger.

00:05:26: Also dass der Hausarzt nicht sofort beim ersten Mal sofort gesagt hat,

00:05:30: du musst jetzt auf jeden Fall und zwar gleich,

00:05:32: das finde ich schon verständlich in dem Alter.

00:05:35: Aber wenn die Beschwerden, und das ist etwas, was wichtig ist,

00:05:38: wenn die Beschwerden anhalten und irgendwas nicht stimmt

00:05:42: und dann muss auch der Arzt auf sein Bauchgefühl hören,

00:05:45: da stimmt was nicht, dann sollte er schon reagieren und sie weiter schicken

00:05:49: und dann entsprechend abklären lassen.

00:05:51: Und ich glaube, das hat sich aber auch in den letzten Jahren,

00:05:54: also aus der eigenen Erfahrung in den letzten 10, 15 Jahren,

00:05:57: deutlich geändert und verbessert, weil es war ja doch schon 2013,

00:06:02: da war das Bewusstsein sicher noch nicht so hoch,

00:06:05: dass auch jüngere Menschen betroffen sein können,

00:06:08: weil einfach in den letzten Jahren vermehrt auch bei jungen Menschen

00:06:12: Darmkrebs mal diagnostiziert wird.

00:06:15: Können Sie uns in einer Kurzversion sagen, was Darmkrebs eigentlich ist?

00:06:19: Darmkrebs, die Regulation der Zellen in der Schleimhaut,

00:06:24: also in der Darmschleimhaut, unterliegt einem Absterbemechanismus.

00:06:28: Das heißt, die alte Zelle geht kaputt und verschwindet,

00:06:31: wird abgebaut vom Körper und es entsteht eine Neue.

00:06:34: Wenn diese Mechanismus gestört ist, kommt es zu einer Zellwucherung von Zellen,

00:06:41: die eigentlich schon so alt sind oder gar nicht mehr dahin gehören,

00:06:45: die sollen eigentlich weg.

00:06:47: Dann kommt es zuerst zu sogenannten Vorstufen vom Darmkrebs

00:06:51: und wenn dann die vollkommene Regulation ausfällt,

00:06:54: also die Zellen machen einfach, was sie wollen und dann wuchern die

00:06:58: und dann entsteht der Darmkrebs,

00:07:00: also eine gestörte Zellregulation, die wir nicht beeinflussen können.

00:07:04: Und welche Risikofaktoren sind es denn, die einen Darmkrebs begünstigen

00:07:08: oder ist das Schicksal?

00:07:10: Es ist viel Veranlagung mit dabei,

00:07:12: also es ist schon ein bisschen Schicksal, wohin man geboren wurde,

00:07:16: aber es gibt auch Faktoren, von denen man weiß,

00:07:19: dass sie den Darmkrebs oder die Entstehung des Darmkrebs ist begünstigen

00:07:23: und das sind zu einem natürlich das Rauchen, wie bei fast allen Krebsarten,

00:07:27: aber auch vor allem das Übergewicht und das ist tatsächlich auch ein Trend,

00:07:33: den wir sehen, Bewegungsmangel und Ernährung ist zu einem gewissen Maße,

00:07:41: also Ballaststoffarme Ernährung, ist nicht gut, viel rotes Fleisch,

00:07:45: ist nicht gut, das sind so die Faktoren, die die Entstehung begünstigen sollen.

00:07:50: Lassen Sie uns mal auf die Familiengeschichte noch blicken,

00:07:53: wie wichtig ist die in Sachen Darmkrebs?

00:07:55: Also heißt also, wenn der Großvater, Vater, Mutter selber Darmkrebs hatten,

00:08:00: hat man dann ein erhöhtes Risiko selber zu erkranken?

00:08:03: Das ist auf jeden Fall so,

00:08:05: gerade wenn erstgradig Verwandte Darmkrebs hatten, also Vater, Mutter, Geschwister,

00:08:12: dann wäre es ganz wichtig, 10 Jahre bevor derjenige erkrankt ist,

00:08:17: zur ersten Darmspiegelung zu gehen.

00:08:20: Und jetzt gibt es auch zunehmend neue Daten,

00:08:22: dass nicht nur die Darmkrebserkrankungen erstgradig verwandten,

00:08:26: sondern auch die Vorstufen da bereits mit reinspielen.

00:08:29: Also wenn Vater oder Mutter Polypen im Darm waren,

00:08:33: die so eine Krebsvorstufe waren, die haben wir ja dann weggemacht,

00:08:37: dann hat er halt keinen Darmkrebs mehr bekommen.

00:08:40: Aber auch dann ist das Risiko für einen selber erhöht

00:08:43: und man sollte dringend zur Darmspiegelung gehen.

00:08:45: Apropos erhöhtes Risiko, welche Warnzeichen gibt es denn?

00:08:50: Warnzeichen sind auf jeden Fall Bauchschmerzen, die länger anhalten sind,

00:08:54: Änderungen der Stuhlgewohnheiten, also so gerade so ein Wechsel zwischen Verstopfungen

00:08:59: und dann rauscht es wieder durch.

00:09:01: Ganz klar natürlich die Blutbeimengungen beim Stuhlgang.

00:09:04: Das sind wichtige Zeichen,

00:09:06: dass da möglicherweise was nicht in Ordnung ist,

00:09:09: dann bitte auf jeden Fall den Arzt aufsuchen.

00:09:11: Kann man mit Prävention irgendwas machen?

00:09:14: Die beste Prävention, die Sie machen können, ist zur Darmspiegelung zu gehen.

00:09:18: Und der Schritt davor dieser Stuhltest, den man machen kann, welchen Sinn hat der?

00:09:23: Der Stuhltest wird angeboten für Menschen ab 50 Jahren ehrlich,

00:09:30: wenn sie sich nicht für... also das kann man machen.

00:09:33: Der hat seinen Stellenwert, der zeigt sehr sensibel in so,

00:09:37: das sehr sensitiv auch, wenn Blut im Stuhl vorhanden ist.

00:09:42: Das Problem ist, dass der nur anspringen kann,

00:09:45: wenn die Wucherung, die im Darm ist, auch wirklich blutet.

00:09:50: Und die Vorstufen zum Darmkrebs nicht alle bluten.

00:09:54: Dann kann es tatsächlich sein, wenn der positiv ist,

00:09:57: dass dann möglicherweise schon der Darmkrebs da ist.

00:10:00: Wir haben aber, das ist ja das Schöne an der Gastroenterologie,

00:10:03: dass wir den Darmkrebs überhaupt verhindern können.

00:10:06: Im Gegensatz zu anderen Krebsarten beim Brustkrebs,

00:10:09: da sagt irgendwann der Gynäkologe, ah, da ist ein Brustkrebs.

00:10:13: Wir können durch unsere Vorsorgekuliskopie die Vorstufen zum Darmkrebs erkennen

00:10:19: und dann auch gleich entfernen, dass der Krebs gar nicht entsteht.

00:10:23: Und das ist das Sinnvolle an der Darmkrebsvorsorge.

00:10:26: Wohin muss ich mich denn wenden, wenn ich denke,

00:10:29: ah, ich möchte jetzt eine Kuliskopie machen, ich höre auch zu der Gruppe,

00:10:34: wo das empfohlen wird, das mache ich dann.

00:10:36: Prinzipiell ist bei Männern mit 50 Jahren die Empfehlung,

00:10:41: zur Vorsorgekuliskopie zu gehen, bei Frauen mit 55 Jahren.

00:10:45: Prinzipiell ist es inzwischen auch so,

00:10:48: dass sie von der Krankenkasse häufig ein Einladungsschreiben bekommen.

00:10:52: Wenn sie das Alter erreicht haben, dann gehen sie zu ihrem Hausarzt.

00:10:56: Der Hausarzt stellt ihnen die Überweisung aus

00:10:59: und macht einen Termin für sie,

00:11:02: oder sie machen selbst einen Termin bei einem Gastroenterologen.

00:11:05: Wir hören jetzt wieder bei Frau Mannes rein,

00:11:08: die uns erzählt, wie es bei ihr nach dieser Diagnose dann weitergelaufen ist.

00:11:13: Der Gastenterolog, bei dem ich war, der hat ganz früh, ich glaube um halb sechs,

00:11:17: hat damals eine Telefontermine gemacht, hat das mir gesagt.

00:11:20: Und ich weiß noch, dass mein Mann im Bett lag und ich zumgegangen bin,

00:11:23: einfach nur geweint habe.

00:11:24: Und dann sind wir zum Doktor gefahren, weil ich auch Schmerzen hatte.

00:11:27: Und ich weiß noch, dass wir auf der Hinfahrt waren, wir tanken.

00:11:30: Und da habe ich zu ihm gesagt, also entweder ich kann jetzt hier kämpfen,

00:11:33: oder ich kann mir den Kopf gegen die Wand schlagen, weil es bringt ja nichts.

00:11:37: Und die Aussage von ihm war dann, du bist ein harte Hund.

00:11:40: Ich hab am 5. März die Diagnose bekommen.

00:11:44: Und am 17. glaub ich, hab ich die erste Bestrahlung gehabt.

00:11:48: Die Therapie, die ich bekommen hab, war erst eine Radiokemotherapie.

00:11:52: D.h. man geht sechs Wochen, bekommt man eine Bestrahlung.

00:11:55: Und auch zwei Wochen Chemotherapie.

00:11:57: Dann hat man noch sechs Wochen gewartet.

00:11:59: Dann hatte ich eine Voruntersuchung, weil der dann die OP anstand.

00:12:03: Und bei dieser Untersuchung war kein Tumor mehr da.

00:12:06: Dann hat in der Schneimhaut gesehen, da war was.

00:12:09: Aber es war weg.

00:12:10: In Deutschland ist es so, dass man das trotzdem entfernt.

00:12:13: Weil es kann ja wirklich im Gewebe noch irgendwo eine Tumorzelle sitzen.

00:12:17: Genau, deshalb war die OP dann eben auch.

00:12:19: Wie häufig ist es denn bei Ihnen in der Praxis,

00:12:22: dass Sie einer Patientin oder einem Patienten sagen müssen,

00:12:25: gleich ins Krankenhaus, da muss was operativ entfernt werden?

00:12:29: Das kommt tatsächlich schon immer mal wieder vor.

00:12:33: Jetzt nicht jeden Tag zum Glück.

00:12:35: Tatsächlich ist es auch für uns immer eine Herausforderung,

00:12:38: den Patienten jetzt mitteilen zu müssen.

00:12:41: Da ist etwas, was da nicht hingehört.

00:12:44: Das ist ein großer Schock für die Patienten.

00:12:47: Viele Patienten reagieren ganz unterschiedlich dann auf die Diagnose.

00:12:51: Aber der Darmkrebs ist einfach einer der häufigsten Krebsarten,

00:12:54: die wir haben.

00:12:55: Bei den Frauen ist es tatsächlich der zweithäufigste Krebs,

00:12:59: nach dem Brustkrebs.

00:13:00: Bei Männern ist es der drithäufigste Krebs, nach Lunge.

00:13:04: Also Brust hat da Lunge, und dann kommt schon der Darmkrebs.

00:13:07: Es ist nicht selten, wir können es verhindern.

00:13:10: Dann gibt es natürlich auch noch die Variante,

00:13:13: dass man Polypen irgendwie entdeckt. Was bedeutet das?

00:13:16: Polypen sind eben diese Vorstufen.

00:13:18: Es gibt verschiedene Arten von Polypen.

00:13:20: Es gibt die hyperplastischen Polypen, so nennen wir die,

00:13:24: die sind völlig harmlos.

00:13:25: Das ist so ähnlich wie diese Polypen in der Nase,

00:13:28: die man als Kind oft operiert bekommen hat.

00:13:31: Die sind harmlos, da passiert nichts.

00:13:33: Die Artenstufen, Polypen, die nennen wir Ardenome.

00:13:36: Ardenome sind die Vorstufen zum Karzinom, also zum Krebs.

00:13:41: Und die Ardenome, das sind diese Zellen,

00:13:43: die schon so ein bisschen wuchern und schon ein bisschen,

00:13:46: wo die Kontrolle verloren worden ist,

00:13:48: aber die noch nicht bösartig sind.

00:13:51: Also die noch kein invasives Wachstum zeigen,

00:13:54: dass sie schon über die Darmschichten hinausgewachsen sind

00:13:57: oder vielleicht schon gestreut haben, was eben das Karzinom kann.

00:14:01: Und genau diese Ardenome, die suchen wir.

00:14:04: Die suchen wir während der Darmspegelung.

00:14:06: Und wenn wir einen Ardenom finden, dann machen wir es gleich weg.

00:14:11: Ich hab's ja eingangs gesagt, ich hab das selber auch mal mitgemacht.

00:14:14: Ich hab nichts mitbekommen von der Untersuchung.

00:14:17: Ich hatte vorher etwas Propofol erhalten,

00:14:20: und dann war ich sofort weg und hab überhaupt nichts mitbekommen.

00:14:23: Sagen Sie auch oder empfehlen Sie auch, da lieber nicht dabei zu sein?

00:14:27: Oder kann man sich das auch anschauen, wie Sie da so suchen?

00:14:30: Ganz klar, das entscheidet der Patient, was er möchte.

00:14:33: Und ich würde schätzen so ungefähr 10 Prozent meiner Patienten

00:14:37: nehmen keine Sedierung in Anspruch.

00:14:40: Die Sedierung ist angenehm, aber mich persönlich stört das nicht,

00:14:44: ob der Patient wach ist.

00:14:46: Dann kann ich ihm zeigen, was wir da machen, kann ihm vorwahren.

00:14:50: Die Darmspegelung ist natürlich jetzt nicht komplett schmerzfrei.

00:14:54: Ein Darm ist kein Rohr, der hat viele, viele Kurven

00:14:57: und die müssen wir rum.

00:14:59: Und das ist keine böse Absicht des Untersuchers,

00:15:02: dass das dann auch an manchen Ecken mal wirklich auch drücken kann.

00:15:07: Ich hab beides gemacht, ich hab selber die Darmspegelung

00:15:10: erst mit Schlafspritze machen lassen von meiner Kollegin.

00:15:13: Und dann beim letzten Mal hab ich gedacht, ich probiere das jetzt mal aus.

00:15:18: Das ist nichts, was man jeden Tag braucht,

00:15:20: aber auch das ist aushaltbar.

00:15:22: Aber es ist natürlich auch jeder unterschiedlich schmerzempfindlich.

00:15:26: Und für mich ist das Alltag.

00:15:29: Für den Patienten ist das Neuland und der weiß gar nicht,

00:15:32: was auf ihn zukommt.

00:15:33: Wir sind gerne bereit, beide Verfahren im Prinzip

00:15:36: so wie der Patient das möchte, durchzuführen.

00:15:39: Wie lang dauert denn für Sie als Ärztin die Untersuchung?

00:15:42: Die reine Untersuchungszeit, das hängt immer tatsächlich davon ab,

00:15:45: was der Patient uns bietet.

00:15:47: Wenn das einfach zu untersuchen der Darm ist,

00:15:51: wo überhaupt keine Polypen drin sind

00:15:53: und auch das Vorführen des Gerätes, also bis zum Ende vom Dickdarm,

00:15:56: ist nicht sehr schwierig,

00:15:58: dann brauchen wir insgesamt 15, 20 Minuten

00:16:02: nur reine Untersuchungszeit,

00:16:03: ohne dass wir mit den Patienten gesprochen haben

00:16:06: und dokumentieren und dann Nachgespräch oder die Aufklärung.

00:16:10: Aber wenn der Patient natürlich viele Polypen im Darm hat,

00:16:13: dann kann das auch schon mal eine Stunde dauern.

00:16:15: Jetzt ist das ja so ein Thema,

00:16:17: was über viele Jahre immer so ein bisschen als irgendwie schmutzig

00:16:21: oder ekelig gesehen war.

00:16:23: Wie ist denn das für Sie als Ärztin den ganzen Tag

00:16:25: praktisch mit den Hinterteilen von Menschen zu tun zu haben?

00:16:29: Die Hinterteile sind mir ganz egal.

00:16:31: Ich freue mich immer, wenn der Patient seine Hausaufgaben gemacht hat

00:16:36: und die Abführmaßnahmen wirklich eingehalten hat.

00:16:40: Und wenn der Darm dann schön sauber ist,

00:16:42: dann ist das überhaupt kein dreckiges Geschäft,

00:16:45: sondern es sieht wirklich fast ästhetisch aus, kann man sagen.

00:16:49: So eine Darm-Schleimhaut, die so rosig glänzt,

00:16:52: das ist überhaupt nichts Dreckiges.

00:16:55: Sie haben schon gesagt, es liegt auch daran,

00:16:57: dass man vorher diese Mittel zu sich nehmen muss,

00:16:59: um den ganzen Darm zu entleeren.

00:17:01: Das ist zugegebenermaßen nicht so schön,

00:17:04: der Tag vorher.

00:17:05: Das muss man aber machen, da gibt es keine einfachen Lösungen.

00:17:09: Ich kann Ihnen verraten,

00:17:10: wenn es was einfacheres gäbe, was auch noch gut schmecken würde,

00:17:14: wir hätten es in der Praxis ganz sicher.

00:17:17: Weil wir natürlich das jeden Tag hören.

00:17:20: Und auch ich, wenn ich zur Darmspiegelung gehe,

00:17:22: ich muss genauso die grässlichen Sachen trinken wie der Patient auch.

00:17:27: Der Tag ist nicht schön, das gebe ich ganz klar zu.

00:17:30: Und ich hoffe immer noch,

00:17:31: dass es in den nächsten Jahren irgendwas geben wird,

00:17:34: was uns das Ganze noch viel einfacher macht.

00:17:36: Weil dann würde die Akzeptanz der Untersuchung

00:17:39: sicher noch mal deutlich gesteigert werden.

00:17:41: Absolut, und wir wollen noch mal von Frau Mannes hören,

00:17:44: wie es bei ihr jetzt weitergegangen ist.

00:17:47: Mein Darm ist halt nicht wieder vor.

00:17:49: Er hat eine Bestrahlung hinter sich, einen Eingriff hinter sich.

00:17:52: Dann geschlossen, sag ich jetzt mal.

00:17:54: Ich hab echt immer wieder Probleme mit meinem Darm,

00:17:57: ich hab auch mit dem Essen Probleme.

00:17:59: Ich hab Gott sei Dank jemanden, der mit zur Seite steht,

00:18:02: und zwar mein Mann, der ja Hyptpraktiker ist.

00:18:05: Und der sich da sehr gut auskennt.

00:18:06: Aber ja, man muss halt immer darauf achten,

00:18:09: man ist da immer ein bisschen vorsichtiger,

00:18:12: wenn es ums Essen geht vor allem.

00:18:14: Wenn jemand Probleme mit dem Stuhlgang hat, sollte zum Arzt gehen.

00:18:17: Wenn der Arzt eigentlich ernst ist,

00:18:19: das wird nicht besser,

00:18:21: sondern wirklich so wie ich und sagt,

00:18:23: ich möchte, dass das jetzt gemacht wird.

00:18:25: Ich find immer, jeder kennt seinen Körper am besten.

00:18:28: Deshalb spürt man ja meistens auch schon,

00:18:31: da ist was nicht, aber wenn man's nicht wahrhaben will,

00:18:33: oder da ist was nicht richtig,

00:18:35: weil's die Arschpacken zusammen versucht, es durchzusetzen.

00:18:38: Das bringt nichts.

00:18:39: Ich hab jedes Jahr 'ne Darm-Spiegelung, es tut nicht weh,

00:18:42: es ist nichts.

00:18:43: Der Tag, da vor, wenn man abfüllen muss,

00:18:45: ist ein bisschen unangenehmer.

00:18:47: Aber da kommt man auch durch.

00:18:49: Das kriegt man wirklich hin.

00:18:51: So kann ich ihr nur zustimmen aus meiner Erfahrung.

00:18:53: Das schafft wirklich jeder.

00:18:55: Es ist auch ein gutes Gefühl,

00:18:56: wenn man dem Arzt oder Ärztin als Patient

00:18:58: am Schluss gegenüber sitzt und dann hört,

00:19:00: es ist alles in Ordnung.

00:19:02: Sie müssen in sieben oder zehn Jahren mal wiederkommen.

00:19:05: Bei Frau Mannes war's eben anders, wie wir gehört haben.

00:19:08: Ist das ein Extremfall, so wie sie's beschrieben hat?

00:19:13: Was an der Situation extrem ist, ist sehr junges Alter.

00:19:17: Ansonsten hat sie genau das berichtet,

00:19:19: wie tatsächlich eine Art des Darmkrebses behandelt wird.

00:19:24: Es wird ein bisschen unterschieden, wo der Darmkrebs sich befindet.

00:19:28: Ob der im aufsteigenden Teil, im querdarm, im absteigenden Teil ist.

00:19:33: Oder eben ganz kurz vor dem Ausgang lokalisiert ist.

00:19:37: Das nennen wir den Mastdarm, das Rektum, auf Lateinisch.

00:19:40: Wenn der Krebs in diesem Teil lokalisiert ist,

00:19:46: dann ist das Vorgehen so, wie die Patientin es beschrieben hat.

00:19:50: Man macht zuerst eine Radiochemotherapie in aller Regel.

00:19:53: Und dann wird erst nach einer gewissen Zeit der Tumor entfernt.

00:19:57: Bei den anderen Lokalitäten oder Lokalisationen

00:20:01: wird in der Regel, wenn der Krebs operabel ist

00:20:06: und nicht gestreut hat und man eine vollkommene Heilung

00:20:09: durch die Operation erwartet,

00:20:11: dann wird der in der Regel zuerst operiert

00:20:13: und nicht vorher bestrahlt.

00:20:15: Das wird für jeden einzelnen Patienten

00:20:19: in einer sogenannten Tumorkonferenz besprochen.

00:20:23: Eine Tumorkonferenz umfasst alle Disziplinen,

00:20:26: die bei der Behandlung eines derartigen Krebses beteiligt sind.

00:20:30: Also Bröntgenärzte, der Gastroenterologe, der Chiroic,

00:20:34: der Strahlentherapoi, der Onkologe, der Pathologe.

00:20:38: Alle diese Kollegen setzen sich dann zusammen

00:20:41: und jeder einzelne Patientenfall wird explizit besprochen,

00:20:45: um für jeden einzelnen Patienten das perfekte Vorgehen

00:20:49: zu schneidern auf gut Deutsch.

00:20:51: Sie haben über Heilungschancen ja auch schon erzählt

00:20:53: und haben berichtet, dass die sehr gut sind.

00:20:56: Das ist Ihre eigene Erfahrung auch aus der Praxis,

00:20:58: oder ist das mehr das, was Sie aus Forschung und Lehre mitgenommen haben?

00:21:01: Die Heilungschancen sind dann exzellent,

00:21:04: wenn erstens der Tumor noch nicht gestreut hat

00:21:09: oder noch nicht viel gestreut hat.

00:21:11: Dann ist die Heilungschancen äußerst gut,

00:21:14: wenn es wirklich ein Karzinom ist, noch besser wäre es,

00:21:17: das Karzinom gar nicht entstehen zu lassen, indem man es vorherfindet.

00:21:20: Was können Sie denn den Menschen, die diesen Podcast jetzt hören,

00:21:23: mit auf den Weg geben, wenn Sie jetzt sagen,

00:21:26: ich habe eigentlich gar keine Probleme

00:21:28: und warum soll ich das jetzt machen lassen?

00:21:30: Man merkt es halt leider erst dann,

00:21:34: wenn es oft schon zu spät ist.

00:21:37: Auf meinem Auto steht es auf dem Kennzeichenhalter drauf,

00:21:40: dass Darmspegelung rettet Leben und das möchte ich mitgeben.

00:21:44: Der Tag vorher ist nicht angenehm,

00:21:46: aber wenn wir diese Vorstufen finden und entfernen,

00:21:49: dann kommt es erst gar nicht so weit.

00:21:51: Was man vielleicht noch mal ganz deutlich sagen muss,

00:21:54: diese Vorstufen, diese Adenome, wie ich Sie vorhin schon beschrieben habe,

00:21:59: die werden irgendwann zu 100 Prozent zum Darmkrebs.

00:22:03: Die müssen weg.

00:22:04: Und dann kann man, wie Sie vorhin gesagt haben,

00:22:07: sich nachher zurücklegen, okay,

00:22:09: da war vielleicht was Kleines, aber jetzt ist erst mal wieder gut.

00:22:12: Und ich komme wieder zur Kontrolle.

00:22:15: Und wenn wieder was da ist,

00:22:16: dann können die das einfach schon wegmachen,

00:22:19: ohne dass ich irgendwas davon merke.

00:22:21: Vielleicht ist ja auch dieser Darmkrebs-Monat März

00:22:23: jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um einen Termin zu vereinbaren.

00:22:27: Auf jeden Fall.

00:22:28: Ich bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen.

00:22:30: Die Zeit für uns ist schon wieder vorbei.

00:22:32: Vielen Dank für diese Auskünfte, Frau Hoth.

00:22:34: Ich sage danke für die Einladung.

00:22:36: Wir machen leider eine Pause für einige Wochen,

00:22:39: weil ich mich selber eines operativen Eingriffs unterziehen werde

00:22:43: und dann in einigen Wochen hier frisch und wohlgemut

00:22:46: wieder am Mikrofon stehen werde.

00:22:48: Und dann hören wir uns hier wieder.

00:22:49: Und ich wünsche Ihnen einst beiden alles Gute.

00:22:52: Das war die Gesundheitsarena,

00:22:55: eine Produktion der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns.

00:22:59: Moderation Martin Eulitz.

00:23:01: Redaktion und Technik Sandra Greisel,

00:23:05: Angela Kieser, Marion Munke, Florian Schaller.

00:23:08: Bleiben Sie gesund und bis zum nächsten Mal.

00:23:12: Copyright WDR 2018

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.